Tag des Bieres am 23. April

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Herzogenaurach. Die älteste Lebensmittelverordnung der Welt ist das „Deutsche Reinheitsgebot“ nach welchem die deutschen Brauer auch heute noch ihr Bier brauen. Es geht auf einen Erlass des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. vom 23. April im Jahr 1516 zurück. Das Bier, vor allem die Bierpreise haben unsere Vorfahren schon immer beschäftigt. Dass das Bier in wirtschaftlichen Notzeiten die Gemüter erregte wegen der Zutaten, vor allem aber wegen der Preise, führte vielfach zu Unruhen, ja sogar zu „Bierkriegen“ geführt hat, ist bekannt.

Im Folgenden geht es um Probleme des „Gastwirthe-Vereins Herzogenaurach und Umgebung“ ab dem Jahr 1909. Im November 1909 trafen sich 9 Gastwirte aus der Stadt und 12 aus dem Umland im Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ (Hauptstraße, heute Sparkassengebäude) um mit dem „Verbandssekretär“ Otto Peter aus München und dem Erlanger Gastwirt Leipold über die „Notwendigkeit des Zusammenschlusses der bayerischen Gastwirte“ zu beraten. Sprecher der einheimischen Wirte war Konrad Bitter sen., Gastwirt und Bierbrauer aus der Gastwirtschaft „Walfisch“ (heute „Bücher, medien und mehr“). Damals gab es tatsächlich noch Gasthäuser, auch in den Ortsteilen, wie in Steinbach, Haundorf und Hammerbach. Auch Gastwirte aus Münchaurach, Tuchenbach, Neundorf waren vertreten – schließlich ging es um eine gemeinsame Sache. Der Verein wurde in der Folge dank zahlreicher Neuaufnahmen so mächtig, dass er bei der Vergabe von Lizenzen für neu errichtete Gasthäuser im heutigen Landkreis ein gewichtiges Wort mitzusprechen hatte.

Zu weiteren Versammlungen Ende 1909 und im Frühjahr 1910 lud man die hiesige Bierbrauer Hubmann, Zimmerer, Glass und Polster ein, schließlich ging es um das leidige Thema: BIERPREISERHÖHUNG. Man lese und staune: der Bierpreis betrug 1910 gerade einmal 22 Pfennige, für den Liter versteht sich. Die Wirte, vertreten durch eine eigne „Bierpreiskommission“, forderten die vollständige Abschaffung des Direktbezugs von Fass- oder Flaschenbier durch Privatpersonen und einen Aufschlag von 1 Mark bei Lieferung an die Flaschenbierhändler. Als 1911 der Brauereibesitzer Josef Hubmann zum Bürgermeister gewählt worden war, verband der “Gastwirthe Verein“ seine Gratulation an ihn mit dem Hinweis, er, der Herr Bürgermeister möge “uns in wirtsgewerblichen Fragen besonders unterstützen“.

Ein Dorn im Auge war den Wirten auch die Konkurrenz durch das Kommunbrauwesen. Zum besseren Verständnis: In Herzogenaurach hatten Haus- und Grundbesitzer in der Regel das Recht, im Kommunbrauhaus an der Schütt (heute umgebaut als Wohnanlage der Lebenshilfe) ihr eigenes Bier zu brauen. Klage führten die Gaststättenbetreiber, das solche Privatbrauer auch Wein, Limonaden und sogar Schnaps und bisweilen auch fremdes Bier von auswärts ausschenkten, ohne eine Lizenz als Gastwirt zu besitzen. Jene sollten sich um eine Gaststättenlizenz bemühen, so die Forderungen.

Ein weiteres Problem sahen die Gastwirte vor dem 1. Weltkrieg in der Polizeistundenregelung. Für die Wochenenden bewirkte man schließlich eine Verlängerung der Sperrstunde bis Mitternacht. 1915 erhielten die Soldaten, die im Fronteinsatz standen vom Gastwirt Verein jeweils 1 -1,5 Mark als Unterstützung. Als 1927 den Wirten von der Stadt eine „Lustbarkeitssteuer“ auferlegt wurde, zweifelten die Wirte an der Gerechtigkeit. Sie erreichen letztendlich, dass die Steuersätze von 2,14 Mark für den Hektoliter helles und von 2,05 Mark für dunkler Bier einheitlich auf 2 Mark festgelegt wurden. Wie einflussreich der Wirte Verein war, beweist die Tatsache, dass er es schaffte, einmal sogar die Martini-Kirchweih vom November auf den wetterfreundlicheren Sonntag nach Maria Himmelfahrt (15. August) vorzuverlegen. Auf den Speisekarten konnte man folgende Essenspreise lesen: ¼ Gans mit Zutaten 2,50 Mark, Ganspfeffer 1 Mark, ein Paar Bratwürste mit Kraut und Brot 70 Pfennige (drei Stück 1 Mark), Braten mit Zutaten 1 Mark, Kaffee mit Küchle 40 Pfennige. Nicht vergessen werden darf, dass Herzogenaurach 1927 zu den Städten gehörte, die unter katastrophaler Armut und Arbeitslosigkeit litten. Mit 71% war die Arbeitslosigkeit erschrecken hoch.

1930 brechen die Eintragungen im Protokollbuch ab und die Eintragungen aus der Nazizeit und aus dem 2. Weltkrieg wurden leider entfernt.

Klaus-Peter Gäbelein

 

Außerdem hatten die Wirte ein weiteres Anliegen: wie kann man dem zunehmenden Verkauf von Flaschenbier entgegenwirken, schließlich hatten die sogenannten Flaschenbierhandlungen in starkem Maß zugenommen.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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