Herzogenaurach vor 90 Jahren

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Aus der „guten alten Zeit“

Herzogenaurach. Wie lebte man in Herzogenaurach vor150 Jahren? Heimatforscher Luitpold Maier hat damals festgehalten, was wichtig war und er hat manches aufgeschrieben, das uns heute zum Schmunzeln Anlass gibt Da gab im Jahr 1869 einen Stadtmagistrat, vergleichbar unserem Stadtrat, der aus honorigen Bürgern bestand. Ihre Namen: Brand, Ziment, Hubmann, Wirth, Deigfuß und Schürr. Diesen Herren stand der Bürgermeistzer Lang vor. Hochgeschätzt von allen Bürgern war Stadtschreiber Johann Schürr, der später ob seiner pflichtbewussten und objektiven Arbeit zum Ehrenbürger ernannt worden ist.

Der Stadtschreiber war zu jener Zeit das lebende Gewissen der Stadt. Er hielt täglich das fest, was heute die Zeitung täglich an aktuellen Meldungen in der Tageszeitung an Pressemeldungen bereithält: Wichtiges, aber auch scheinbar Banales oder Nebensächliches. Wen würde heute interessieren, dass die Tuchmachersfrau Margarete Fischer die Genehmigung für das Sammeln der Kuhfladen auf der Nutzung erhalten hat? Und wen möchte heute wissen, wie die Pächter geheißen haben, die im April 1869 das Mähen der Wiesen (die „Grasnutzung“) des Exerzierplatzes im Weihersbach geheißen haben. Wichtig für uns scheint lediglich die Tatsache zu sein, dass einen Exerzierplatz gegeben hat, von dem wohl reichlich Gras fürs Vieh geholt werden konnte.

Wichtig für die Zeitgenossen damals war jedoch die Nachricht, dass dem Michael Lederer für ein Jahr lang die Gilgenweiherwiese zur Nutzung für einen zweiten Zuchtstier kostenlos überlassen worden war. Daneben erfahren wir die Namen der neu aufgenommen Familien, die das hiesige Bürgerrecht erhalten haben. Und wir erfahren auch, dass in der Neujahrsnacht eigens vier Wachen aufgestellt worden sind, die für die „innere Sicherheit“ sorgen sollten und ein jeder einen Gulden für seine Arbeit erhielt (dieser reichte wohl für 4 „Seidlein Bier“!). Die Frage sei erlaubt: hat sich seit jener Zeit in unserem Leben und Verhalten etwas geändert oder war sie doch nicht so gut, „die gute alte Zeit“?

Wir erfahren vom Stadtschreiber, dass in der Erlanger Straße, damals noch unbewohnt, 11 mächtige Pappelbäume „unterm 10. April“ zum Verkauf angeboten worden sind. Wir lesen von einem Stadtdiener namens Franz Bauer, der das Sprachrohr des Magistrats und des Bürgermeisters war und wichtige Nachrichten durch „Ausschellen“ mit der Stadtglocke verkünden musste.

Schließlich fertigte der Flaschnermeister Matthias Müller ein mit Messing beschlagenes Wächterhorn, das mit einem Mundstück versehen war und Schneidermeister Johann Michael Maier wurde mit vier Gulden entlohnt, weil er zwei Mäntel für die beiden Nachtwächter geschneidert hat. Und schließlich stand die Reparatur der der Feuerlöschmaschine an, die zuletzt bei Bränden der Scheune von August Lorenz eingesetzt werden musste. Überhaupt ist von Bränden in der Stadt immer wieder die Rede, so wie beim Dachstuhlbrand des Genannten August Lorenz (Haus Nr. 260). Neu ist für heutige Feuerwehrler ist wohl die Tatsache, dass Kommandant Johann Peter Zielbauer für seinen Einsatz bei dem genannten Brand 12 Gulden „als Gratifikation“ bekommen hat!.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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