FFW Herzogenaurach Teil 3

Der Ernstfall

Die Schreckensrufe „Feurio, Feurio“ versetzten unsere Herzogenauracher Vorfahren in früheren Jahrhunderten in panikartige Zustände. Mit dem „roten Hahn“, wie man Feuergefahren bezeichnete, war bekanntlich nicht zu spaßen. Um Brände zu verhüten, erließ die „königlich bayerische Stadt Herzogenaurach“ im Juli 1856 eine „Feuer-Ordnung“ In acht Kapiteln auf 23 Seiten ging es dabei um die Verhütung von Feuersgefahr, um das Verhalten bei der Entdeckung eines Brandes um das Löschen, um die Rettung von Personen und „Eigenthum“, um das Vorgehen nach dem Brand, um das „Verfahren bei Bränden außerhalb der Stadt“ und schließlich um die Aufbewahrung der Gerätschaften.

Verboten war verständlicherweise der Gebrauch offenen Lichts in Ställen, Scheunen, Böden und Schupfen. Gleiches galt für das Tabakrauchen. Die Bevölkerung war angehalten, achtsam beim Umgang mit brennbaren Stoffen im Haus, vor allem was das Flachs- und Holzdörren anging. “ Brennbare Materialien wie Holz, Heu oder Stroh gehören in Scheunen, Schupfen oder Hallen“ hieß es in dieser Feuer-Ordnung.

Da es beim Schmalz Auslassen oder Pech Sieden immer wieder zu Bränden kam, sollten diese Dinge unter größter Vorsicht geschehen. Bei einem Brand in der Stadt sollte höchste Alarmstufe herrschen. Im Ernstfall war der Kirchner (Mesner) verpflichte,t die Feuerglocken zu läuten, „der Thürmer auf dem Kreppelsthurm (Türmersturm)“ hatte mit dem Horn das Brandsignal zu geben und den Vorübergehenden zuzurufen, wo es brenne. “Die Tambours (Trommler) haben schleunig die Trommeln in allen Gassen zu rühren.“

Jeder männliche Bürger war zur Hilfeleistung verpflichtet und musste außerdem einen gefüllten Wassereimer zur Brandstelle bringen und auch im Winter musste immer Wasser zum Löschen bereitstehen. Pferdebesitzer waren angehalten, mit ihren Rössern zum Rathaus zu kommen, die Feuerspritzen anzuschirren oder Wägen mit Wasserfässern zum Einsatzort zu bringen. Und auch Frauen und Mägde sollten zum Einsatz kommen und „Wasser mit Butten oder Schäffern (großen Eimern, Waschzubern) herbeitragen.“ Zu rettende Waren sollten von Besitzern von Ochsengespannen an den „Rettplatz“ gefahren werden Als Rettungsplätze waren der Kirchenplatz, der Marktplatz und der Platz vor der Stadtmühle vorgesehen. Zwei Ochsenspänner haben die zu rettenden Waren an den Rattplatz zu fahren.

Die Pferdeanspänner (gemeint sind die Besitzer von Pferden) haben im Brandfall sofort ihre Pferde anzuschirren und sie sodann im Trabe an das Rathaus zu treiben. Diejenigen, welche zuerst am Rathause eintraefen , haben die Feuerspritze (Abbildungen habe ich geliefert!!!!) an die Brandstätte zu fahren, während die übrigen gehalten sind, auf Wägen Wasser an die Brandstätte zu fahren .Die zwei am Rathauszuerst eintreffenden Pferdebesitzer erhalten eine Belohnung von 1 Gulden 30 Kreuzer per Mann einschließlich Trinkgeld.

Das „Corps der Retter“, wie die Elitetruppe als Vorläufer der Feuerwehr bezeichnet wurde, bestehend aus 10 – 20 Männern, die „unbescholten, von erprobter Redlichkeit, Muth und Entschlossenheit sein mussten“, sollten vor allem bedrohte Personen sowie das Hab und Gut retten. Sie waren mit einer weiß-blauen Armbinde am linken Arm gekennzeichnet und wurden zusätzlich mit Laternen ausgestattet. Weiter heißt es “Wegen der an Personen durch Feuer leicht vorkommenden Beschädigungen ist ein Arzt oder Chirurg in das Corps aufzunehmen.“ Und schließlich heißt es „Am meisten ist den Rettern möglichst große Seelenruhe und Kaltblütigkeit anzuempfehlen, und nur wenn sie diese selbst bei Gefahr zu bewahren wissen, werden sie ihre mitunter schwierige Aufgabe gehörig lösen.“

War das Feuer gelöscht, sollte „die Mannschaft der Bauhandwerker zur Abräumung des Brandplatzes (zur Vorbeugung gegen neue Feuersgefahren) mit einer gefüllten Löschmaschine und einem Polizeidiener zurückgelassen werden.

Bei Feuersbrunst außerhalb Herzogenaurach darf kein Feueralarm ausgelöst werden; allerdings sollen die Löschmannschaft (Spritzenmeister, Spritzenmannschaft) und Bauhandwerker allen nicht über zwei Stunden entfernten Orten zu Hilfe eilen.

Im abschließenden VIII. Kapitel der „Feuerordnung“ geht es um die Wartung der Gerätschaften. Es heißt, es sei darauf zu achten, dass diese „sofort in ganz guten Zustand wieder gesetzt werden sollen“ und dass vor allem die „hänfenen (aus Hanf bestehenden) Schläuche gehörig getrocknet werden“. Die Feuerspritze soll „gehörig eingeschmiert und alles Abgängige (Fehlende) wieder ersetzt“ werden Die Spritzen sollen jährlich mindestens einmal, am besten zweimal, „zu Probieren und ist dabei die Spritzenmannschaft einzuschulen“.

Abgefasst und unterschrieben wurde das ganze Skriptum von Bürgermeister Klumm, den Magistratsmitgliedern Staudigl, Drebinger, Dicas, Brand, Wirth und Meier sowie von Stadtschreiber Fiedler.  

Aus den Protokollbüchern der FFW Herzogenaurach oder - Aus der guten alten Zeit

August 1904
Bei einem großen „Schadenfeuer“ wurden das Anwesen des „Oekonomen“ (Landwirts) Johann Zimmerer (in der Nutzung) sowie das benachbarte Gebäude der Witwe Rahmer und das Anwesen Welker eingeäschert, „obwohl Wasser in ausgiebiger Weise vorhanden war“ und die Feuerwehren aus Niederndorf, Hauptendorf, Falkendorf, Hammerbach, Burgstall und die „Pflichtfeuerwehr Haundorf“ beim Löschen halfen.

April 1906
Die Feiern anlässlich des 25-jährigen Gründungsfestes am 22./23. Juli wurden besprochen. Am Sonntag (22. Juli) um 10 Uhr sollte die Kapelle Schrepfer mit 9 Mann die ankommenden Vereine am Bahnhof abholen; darauf wurde beim Mittagstisch „Tafelmusick“ und zum Schluss ein Marsch gespielt. Anschließend erfolgte ein Festzug um die Stadt, bevor es in den Weihersbach zum Konzert ging, das bis nachts 12 Uhr dauerte. Am Montag, 23. Juli, gab es wieder mit 9 Musikern einen Frühschoppen, dann mittags um 3 Uhr einen Zug zum Hirtenbuck mit Konzert bis 7 Uhr.

Mai 1906
Vorstand Andreas Kurr regt die Anschaffung einer Fahne an. Er wird diese stiften und eigenhändig und unentgeltlich malen. Der Verein soll lediglich die Materialkosten (Seide) für die Fahne und für Fahnenbänder bezahlen (Kosten 75 - 100 Mark).

Juli 1906
Am 28. Juli wurde Rückschau auf das Fest gehalten. Neben zahlreichen Ehrengästen (u. a. der Bezirksamtmann Bauer, die Hohe Geistlichkeit, die Herren Beamten) nahmen sämtliche hiesigen Vereine teil, außerdem der Gesangverein “Liederkranz“ und der Arbeitergesangverein „Vorwärts“. Gäste waren außerdem 46 Feuerwehren mit 9 Fahnen, rund 800 Feuerwehrkameraden sowie eine Radfahrerabteilung „Freiwillige Feuerwehr Nürnberg Abteilung Gleishammer“. Als Patenverein fungierte der Nachbarverein Zirndorf.

1. August 1914
Mobilmachung und Beginn des 1. Weltkriegs.

Januar 1919
Gedenkfeier zu Ehren der 23 gefallenen Kameraden. Empfang für die Kriegsheimkehrer mit Musik und Tanz.

März 1919
Der Verein besitzt 340 Mitglieder.

November 1920
Der Vereinsdiener Joseph Bock „ist aus dem Leben geschieden“. Auf Wunsch der Familie soll er in der Feuerwehruniform beerdigt werden.

März 1923 (Beginn der großen Inflation)
Jahresbeitrag für Aktive 240 Mark bei vierteljährlicher Einziehung.

Juni 1923
Für das bevorstehende Feuerwehrfest kosten Festabzeichen für Herren 1.000 Mark, für Damen 500 Mark. Wer nicht im Besitz eines Festabzeichens ist muss 2.000 Mark bezahlen (Anmerkung: Im Inflationsjahr 1923 kostete ein Ei bis zu 100.000 Mark).

 März 1924
„Der bisherige Vorstand Herr Kurr wurde in Anbetracht seiner langjährigen Verdienste zum Ehrenvorstand einstimmig ernannt“.

September 1924
Die Stallungen im Liebfrauenhaus brannten nieder.

Januar 1925
Die Scheune des Mühlenbesitzers Thaler (Thalermühle = Eichelmühle) brannte bis auf die „Umfassungsmauer“ nieder.

Mai 1925
Anschaffung einer Motorspritze.

Januar 1926
Wegen der Arbeitslosigkeit findet kein Faschingsball statt.

März 1926
Im Kino im „Christlichen Vereinshaus“ brach am 15. März um ½ 1 Uhr Feuer aus. Der Feuerwehrmann Hans G. wurde „durch Brandwunden stark verletzt“. Seinem Gesuch um Erwerbsunfähigkeit wurde durch die Feuerwehrversicherung stattgegeben.

Februar 1927
Die anberaumte Generalversammlung „konnte wegen Nicht-Erscheinung der Mitglieder nicht abgehalten werden. Anwesend waren 4 Mitglieder.“

März 1928
Antrag an die Stadt Herzogenaurach zur Anschaffung von „15 neuen Blusen für die Verwaltung und außerordentlichen Dienste (Begräbnisse, Bezirksversammlungen...)“.

Februar 1930
Antrag an den Stadtrat zur Anschaffung von

  1. 50 neuen Uniformen
  2. Reparieren und Reinigen der alten Uniformen
  3. 8 Stück Steiger-Helme
  4. 16 Stück Gurte und Beile für die Steiger
  5. 200 Meter Schläuche für die Motorspritze
  6. 100 Meter Schläuche für die Turmspritze
  7. 2 Stück Überfahr-Brücken
  8. Reparatur der Tore am Feuerwehrhaus (Marktplatz)
  9. 12 Stück Trauer-Schleifen waren reparaturbedürftig und sind jetzt fertig

Juli 1931
Trotz des schlechten Wetters sind die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen „gut und zur allg. Befriedigung verlaufen“. Es blieb ein Defizit von 408 Mark und 60 Pfennig ... Karl Hüttinger wird für seine Opferwilligkeit zur Stiftung der Fahne als Ehrenmitglied einstimmig ernannt ...“.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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