Faschingszeitung von 1899

Früher war bekanntlich alles anders – ob es auch besser war, ist die Frage. Was den Fasching angeht. Seit dem Hohen Mittelalter sind Berichte überliefert, dass nicht nur im Rheinland oder im Südwesten Deutschland zwischen Weihnachten und Ostern kräftig gefeiert worden ist.

Das tolle Treiben ging so weit, , dass die Landesherren Verbote gegen den Mummenschanz erließen. So wurde im 14. Jahrhundert in Frankfurt am Main jegliche Maskerade verboten. Frauen und Mädchen drohte dabei eine höhere Geldstrafe als Männern. Die fränkischen Fürstbischöfe erließen ähnliche Verordnungen gegen diese „Mummereien“, vor allem weil sie sich bis in die Fastenzeit hinzogen. Alle Schichten der Bevölkerung hatten im Laufe der Zeit sogar den Aschermittwoch mit „Trinkgelagen und Schmausereien, mit Tänzen und Maskenaufzügen“ entehrt. Die Obrigkeit griff ein und rettete die Ehre des Aschermittwochs.

Kulturgeschichtler und Volkskundler leiten das Wort Fasching von „Fasnacht“ oder „Fasenacht“ ab. Im Althochdeutschen finden sich die Begriffe „fason“ für suchen und „faseln“ für unüberlegt denken oder sprechen. Mancher Politiker muss sich bisweilen noch den Vorwurf gefallen lassen „Was hat der heut´ wieder zammgfaselt!“ Das Wort Fasching wird in alten Quellen mit „Fassausschank (vaschanc) bei den Bacchus Festen“ erklärt (Bacchus war der Gott des Weines), während der Begriff Karneval wohl auf das Lateinische „carrus navalis“ (Narrenwagen) zurückgeht weil die Römer nach gewonnenen Seeschlachten prächtig ausgestattete Prunkschiffe in ihren Triumpfzügen mitführten. Andere Wissenschaftler leiten das Wort von Karneval vom Lateinischen „carne valis“ ab (Fleisch lebe wohl) und erklären die Herkunft des Begriffes mit dem Verzicht auf Fleischgerichte zu Beginn der Fastenzeit wie es in der Frühzeit des Christentums üblich war.

Ein erster schriftlicher Nachweis über Fasnacht in Franken findet sich nicht Veitshöcheim! – sondern bei Wolfram von Eschenbach. Im Parzival, den er um 1210 vollendet hat, berichtet er von einem Fasnachtsscherz der „Kaufweiber von Dollnstein“. Die Haupttage im fränkischen Fasching waren im 15./16. Jahrhundert jene zwischen dem „fetten , unsinnigen oder schmutzigen Donnerstag“ (da wurden u.a. die Fasnachtsküchlein in Fett gebacken) , der Samstag und Sonntag war der Geistlichkeit vorbehalten (Herrenfasnacht), darauf folgte der „gaile oder rasende Montag“ und mit dem ausgelassenen treiben am Dienstag klang die Fasnacht aus.

In Nürnberg ist der Beginn des Karnevals erstmals schriftlich auf das Jahr 1349 datiert. Damals hatten sich die Zünfte aufwieglerisch gegenüber Kaiser Karl IV. gezeigt. Da sich jedoch die Metzger und die Klingenmacher nicht an dem Aufstand beteiligten, durften sie von nun an bunte Umzüge zur Volksbelustigung veranstalten. Wie „zünftig“ es bei den Nürnberger Metzgern zuing beweisen Angaben aus dem Jahr 1614. Die Metzger trugen eine 246 Meter lange Bratwurst durch die Stadt und verzehrten sie in der Breiten Gasse, nachdem sie jedem Ratsherrn drei Meter davon gegeben hatten. Diese Riesenbratwurst war auf 149 Rosten gebraten worden.

Mit der großen Welle von Vereinsgründungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch Fasnachts Vereine in Franken gegründet (Nürnberg 1861, Bamberg 1886). In Herzogenaurach wurde der Karnevals-Club 1964 als eigenständiger Verein aus der Taufe gehoben. Pate stand dabei der 1. FC Herzogenaurach. Seine Theaterabteilung hatte bereits in den harten Jahren der Nachkriegszeit Karnevalssitzungen durchgeführt. Aus dem Vergnügungsausschuss des 1.FC ging schließlich der KCH hervor, seit 1965 mit Elferrat, Kellermeister und Männerballett.

Aber schon 1899 gab es erstmals eine „Herzogenauracher Carnevals-Zeitung“. Sie wurde zum Preis von 5 Pfennigen. Das Motto auf Seite 1 lautete: „Trifft Euch eines Narren Spott, so beeilet euch ganz flott, gebt den Scherz zurück dem Wicht: Übelnehmen gibt es nicht!“ Auf Seite 1 wurde die politische Situation in Europa beleuchtet und bei dem über Bayern ging es –wie sollte es auch anders sein – ums Bier.

Schließlich wurden 30 Vorschläge zur Verbesserung der Herzogenauracher Innenpolitik angeboten. So soll beispielsweise die „Weihersbach Wiese zur Froschzucht genutzt werden, ein Vollbrausebad (damals war das Duschen noch keine Selbstverständlichkeit) soll entstehen, im Hirtenhaus soll eine Abortanlage mit Spülapparat, Spiegeln und elektrischer Beleuchtung eingebaut werden – alles Dinge die um 1900 wahrlich noch utopisch anmuteten. Man kündigte an, dass im Steinweg Gummipflasterung erfolgen soll und dass über den Steinweg eine Verglasung erfolgen solle. Man kündigte eine Zahnradbahn hinauf zum Hans-Ottenberg an und prangerte den schlechten Zustand der Hinteren Gasse an. Wegen der vielen Wasserlachen soll die Straße für die Karpfenzucht genutzt werden. Wie man sieht: Humor hatten unsere Herzogenaurach Vorfahren vor 120 Jahren.

Lustige Anzeigen lockern die Zeitung auf: Gestern verlor ich auf dem Heimweg vom Lamm bis in die Morastgasse meine Alte. Der redliche Finder, erhält 50 Mark Belohnung, wenn er sie behält. Für den 14. Februar (damals Faschingsdienstag) wurde ein Umzug mit drei Wagen angekündigt, bei dem u.a. das „größte Wickelkind“ der Welt mitgeführt werden sollte.

In einer Faschingszeitung aus dem Jahr 1932 wurde erwähnt, dass beim Fischbestand in der Aurach „eine Flossenentzündung“ festgestellt worden sei, die jedoch durch rechtzeitige Impfung der Fische inzwischen eingedämmt sei. .

Über fehlenden Humor konnten sich die Einwohner nicht beklagen.

 

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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