Loritzfelsen

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Nur wenige Meter oberhalb des Haupteingangs zum Weltunternehmen INA-Schaeffler fristet heute eine historisches Denkmal fast unbemerkt von der Öffentlichkeit sein kümmerliches Dasein: der Loritzfelsen. Benannt ist der einstige Aussichtsturm, der heute aus Sicherheitsgründen leider gesperrt ist, nach seinem Erbauer

Bernhard Loritz,  “Königlich Bayerischer Amtsrichter hierselbst“.

 

Amtsrichter Loritz, 1859 in Lauingen/Donau geboren, wurde nach dem Jurastudium in München sowie nach einer kurzen Zwischenstation in Thiersheim 1895 nach Herzogenaurach versetzt. Im damaligen Amtsgericht unmittelbar hinter dem heutigen Schusterbrunnen und an der Stelle des heutigen Sitzungssaals des Rathauses im Schlosshof „residierte“ er ab 1895. Schon nach wenigen Jahren wurde er ein begeisterter und glühender Franke, ein „echter Herzogenauracher voller Engagement und Leidenschaft“.

 

Nach heutigem Empfinden muss sich Loritz vor über 100 Jahren die Devise zum Grundsatz gemacht haben: „Meine Stadt soll schöner werden!“ Und gleichzeitig sollte Herzogenaurach mit seiner alten Bausubstanz auch attraktiver werden. Zusammen mit Herzogenaurachs bekannten Baummeister Andreas Kurr  regte er stets aufs Neue an, verputzte Fachwerkbauten freizulegen, so dass man bald von unserer Stadt als „Stadt der Fachwerkbauten“ sprach. Und nicht selten griff er dabei in die eigene Tasche, um finanzielle Hilfestellung zu geben.

 

Für Loritz lautete die Devise: Altes zu bewahren und Neues entsprechend einzufügen. Er engagierte sich beim Aufbau eines Stadtmuseum und er wurde ein unermüdlicher Motor bei der Gründung des Historischen Vereins (1906), des heutigen Heimatvereins. Nicht selten ging er in die Bürgerhäuser und überredete die Besitzer, alte und angeblich wertlose Dinge für den Aufbau eines Museums zur Verfügung zu stellen. Noch heute lebt unser Stadtmuseum vom Grundstock, den Bernhard Loritz gelegt hat.

 

Wichtige Veränderungen im Stadtbild haben wir noch immer dem „Herrn Amtsgerichtsrat“ zu verdanken. Das Gelände zwischen Ansbacher Tor und dem Pulverturm an der Stadtmühle muss zu seiner Zeit ein übles Sumpfloch gewesen sein. Er ließ es auffüllen und kanalisieren, das Ufer der Aurach mit einer Mauer befestigen und so entstand der Loritzhain an der Tuchmachergasse. Ein unscheinbarere Gedenkstein erinnert noch heute an den nach ihm benannten Loritzhain.

 

Die Lieblingsidee von Loritz war es allerdings, der Stadt einen Aussichtsturm zur Verschönerung und Aufwertung zu geben: den nach ihm benannten Loritzfelsen. Das heutige marode Bauwerk sollte eigentlich nur das Fundament für einen großen Aussichtsturm werden, von dem aus man die „Alb“, also die „Fränkische Schweiz“ im Osten sehen konnte. Unter großen Kosten, zum Teil von Loritz privat bezahlt, wurden Dolomitfelsen aus der Gräfenberger Gegend herbeigeschafft. Das Ganze war als Fundament für einen größeren Turm gedacht, dessen Plan jedoch nicht verwirklicht werden konnte.

                    Für die Herzogenauracher war die Idee jedoch klar: Weil man mit dem Begriff „Fränkische Alb“ wenig anfangen konnte, sollte man von dem Turm aus anstatt der „Alb“ eben die Alpen sehen können. Wenn man sich das heutige dicht bebaute INA-Gelände wegdenkt, so kann man sich durchaus einen ungetrübten Blick vom Turm in Richtung Osten bis zu den Ausläufern der „fränkischen Alp(b)“ vorstellen.

Für die Bevölkerung war der Turm eine Attraktion. Angeblich sollen sogar fremde Kletterer und Bergsteiger hierher gekommen sein, um die „Herzogenauracher Nadel“ zu besteigen. Für die Jugend bot der Turm tatsächlich beste Klettermöglichkeiten , während die Älteren hier manches Liebestreffen verabredeten und heimlich die ersten Zigaretten pafften.

 

Bernhard Loritz wurde für seine Verdienste um den Stadtausbau und die Stadtverschönerung 1907 mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Er verbrachte seinen Lebensabend in München und wurde 1933 an der Seite seiner Frau und der schon kurz nach der Geburt verstorbenen Tochter unmittelbar gegenüber dem Eingang zur Friedhofskirche beigesetzt. 

 

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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