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Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


Schaeffler 70 Jahre in Herzo

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Herzogenaurach. „Was wissen die Herzogenauracher eigentlich über ihren Vorzeigebetrieb, über INA-Schaeffler?“  Dieser Frage ging der Vorsitzende des Heimatvereins , Klaus-Peter Gäbelein, in seinem Vortrag „Vom Holzknopf zum High-Tegh-Lager“ in der vollbesetzten Gaststätte Heller nach. Und die Zuhörer wunderten sich, was sie über die Geschichte und die Entwicklung des Weltunternehmens mit Sitz an der Aurach Wissenswertes erfahren konnten

 

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Wer kennt schon die Geschichte des Unternehmens, das in Katscher in Oberschlesien seinen Anfang genommen hat? Wer weiß Bescheid über die abenteuerlich Flucht der Firma „Schaeffler“ in Richtung Westen, die über Meerane in Sachsen nach Schwarzenhammer im Fichtelgebirge an die Aurach geführt hat?

 

Der Referent gab Zahlen und Fakten und die Zuhörer staunten! Was Wilhelm und Georg Schaeffler aus einem ursprünglich rein auf Webwaren orientierten Betrieb geschaffen haben, ist eigentlich ein Märchen, das nur die deutsche Nachkriegsgeschichte schreiben konnte. Aus einer schwächelnden Weberei in Oberschlesien hatte Wilhelm Schaeffler vor dem 2. Weltkrieg ein angesehenes Unternehmen geschaffen, in dem allerdings ab 1941 für die Rüstung teilweise auf Metallproduktion umgestellt werden musste: Schaeffler Wälzlager rollten in vielen Kettenfahrzeugen.

 

Im Februar 1946 begannen die Verhandlungen der Schaeffler Brüder mit Herzogenaurachs Bürgermeister Hans Maier. Der Fahrlehrer Welzel aus dem Steinweg hatte die Beziehungen geknüpft und dann ging es Schlag auf Schlag .

 

Die „Industrie GmbH“ begann in Baracken am Postplatz (heute Anlage am Kreis)  und im Weihersbach mit der Produktion von Holzknöpfen und Gürtelschnallen sowie mit Ersatzteilen für Pflüge und amerikanische Fahrzeuge.

 

120 Arbeitsplätze sollte der Betrieb binnen Jahresfrist schaffen. 149 waren es schließlich nach der vorgegeben Frist.

 

                 Im oberfränkischen Schwarzenhammer wurden die gefragtesten „Nutz- und  Transportfahrzeuge der Nachkriegszeit“ hergestellt: die Schaeffler Combi-Handwagen, beliebt und begehrt in jedem Haushalt. Nach der Währungsreform (20. Juni 1948) kam die Wende: Georg Schaeffler, Tüftler und Erfinder, entwickelte das INA Nadellager. mit dem der Firma der Durchbruch in der Lagerproduktion gelang:

 

In der aufblühenden deutschen Fahrzeugindustrie waren fortan die INA-Wälz- oder Nadellagergefragt und in allen deutschen PKWs liefen ab den 50-er Jahren Nadellager aus Herzogenaurach.

 

„INA“ nannte sich der Betrieb fortan, “Industrie Nadellager“  bedeutet die Formulierung und der Entwickler und Erfinder, Georg Schaeffler, fand eine andere Übersetzung „Immer neue Anforderungen oder Aufgaben“ wollte der Querdenker Schaeffler in seine Betrieben umgesetzt wissen.

 

Dass bis die 70-er Jahre Deutschlands größte Teppichproduktion an der Aurach zu finden war, daran erinnern sich nur noch die älteren Herzogenauracher. Die gesamte Produktion wurde aus Schwarzenhammer abgezogen und an die Aurach verlegt. Zwischen 800 und 1 000 Mitarbeiter hatte „die Teppich“ beschäftigt, wie man die Weberei nannte.  Boucle- und Chenille-Teppiche wurden hergestellt, die über den Fachhandel und über Versandhäuser zu beziehen waren. 150 000 Quadratmeter Teppiche und Teppichböden im Monat wurden 1957 gewebt. In vielen deutschen Wohnungen lag die unverwüstliche Schaeffler Ware.

 

 

In Banken und Kaufhäusern liefen die Kunden über Schaeffler Bodenbeläge und in allen namhaften deutschen Automarken zeugten Schaeffler-Teppiche vom Wirtschaftswunderland Deutschland. Als ausländische Billigware den deutschen Teppichmarkt zu überschwemmen begann, verlegte man die hiesige Produktion nach Bamberg und Regensburg; letztlich wurde  der gesamte Teppich-Bereich an einen belgischen Konzern veräußert. Das Entscheidende aber war: In Herzogenaurach wurde kein Mitarbeiter der „Teppich“ arbeitslos. Wer wollte, konnte sich für die Metallbranche umschulen lassen.

 

 

1955/56 war die Schallmauer von 1 000 Mitarbeitern bei Schaeffler durchbrochen und 1965 fanden  bereits 3 400  Personen aus der Stadt und den angrenzenden Landkreisen Arbeit bei dem einstigen „Flüchtlingsbetrieb“, wie man die neue Firma fälschlicherweise lange Zeit in Herzogenaurach nannte. Mit INA-Schaeffler ging es in der Stadt „I(mmer) N(ur) A(ufwärts).

 

 

Sprichwörtlich großzügig und sozial war der größte Arbeitgeber von Beginn an: Kostenlose „Vesperbeutel“ (Brotzeitpakete), ein eigener Kinderhort, ein firmeneigener Fuhrpark, durch  den die Mitarbeiter schnell hierher befördert

 

werden konnten, sozialer Wohnungsbau mit weit über 1 000 Wohneinheiten zu und günstigen Mieten, Urlaubsheime in Südbayern und dann gab es auch noch die INA-Rente, - all das machte einen Arbeitsplatz bei INA wünschens- und begehrenswert.

 

Schon seit den 50-er Jahren expandierte die Firma , zunächst waren die Niederlassungen in Höchstadt, Lahr, Ingolstadt und in dem  noch unter französischer Verwaltung befindliche Homburg/Saar. Dann investierte man im benachbarten Ausland (Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Österreich). Erfolgreich wagte man den Sprung auf andere Kontinennte: Canada und USA, Südafrika, Asien mit Korea und China sowie nach Indien und nach 1990 ging es schrittweise weiter nach Osten  nach Russland und in die Ukraine.

 

 

Es war die Zeit, als längst ausländische Mitarbeiter bei INA anheuerten. Aus Spanien und Italien, aus Portugal und Griechenland sowie dem damaligen Jugoslawien kamen sie. Und viele blieben, wurden „Neu-Herzogenauracher“ und  trugen dazu bei, dass sich sogar eine Städtepartnerschaft mit Nova Gradiska entwickelte.

 

Auf Übernahme großer deutscher Unternehmen ging der Referent ein: die Fa. LUK (Lamellen Und Kupplungsbau) im badischen Bühl, die „feindliche Übernahme“ des Schweinfurter Kugel- und Wälzlagerkonmzerns FAG in Schweinfurt und Eltmann und letztlich die Eingliederung von CONTI zwischen 2008 und 2010, an der sich die Schaefflergruppe fast verhoben hätte. In Erinnerung war vielen Anwesenden der Februar 2009, als Mitarbeiter und die Bevölkerung geschlossen auf die Straße gingen, um ihre Verbundenheit mit INA-Schaeffler und  mit „ihrer Chefin“ Maria-Elisabeth Schaeffler zu bekunden.

 

Namhafte Persönlichkeiten haben den Weg von INA mitgestaltet: die Direktoren Bergmann und Wolfgang Falck, Dr. L. Raith , die Schaeffler „ Webmeister“ Pokorny und Werner Lis, Horst Reinecke und letztlich auch „Theo“ Karalis, der als „Ausländerbeauftragter“ die Einstellung und Eingliederung koordinierte. Sie sollen stellvertretend für weitere unermüdliche Führungskräfte und natürlich für die zufriedenen Mitarbeiter genannt werden.

 

Dank des äußerst erfolgreichen Finanzvorstandes Dr. K. Rosenfeld, der 2009

 

Dr. Geisinger abgelöst hat, zählt  die INA-Schaeffler Gruppe mit über 86 000 Mitarbeitern (davon über 32 000 In der Bundesrepublik) an 180 Standorten zu den namhaftesten Unternehmensgruppen, die ihren Zenit noch nicht erreicht hat.

 

Weltweit über 2 900 Auszubildende, über 2 500 Patentanmeldungen im Jahr 2015, ständig neue Innovationen im Fahrzeugbau und für die Weltrazmforschung sind ein beredtes Zeugnis für einen überaus erfolgreichen Konzern dank des Engagements und Weitblicks der Familie Schaeffler und ihrer Spezialisten.

 

Abschließend verwies der Referent auf das soziale Engagement von Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihrem  Sohn Georg F.W. Schaeffler in vielen Bereichen zum Wohle der Stadt, des Landkreises und aller Mitarbeiter des Konzerns.

 

 

kpg

 

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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