Helmut Fischer´s Heimatkalender 2022
Ab sofort bei allen bekannten Verkaufsstellen erhältlich
Der neue Stadtschreiber ist da!
Erhältich bei Bücher & mehr und Ellwanger
Bayerischer Heimatpreis 2018
geht an den Heimatverein 23.07.2018
Der alte Schloßgraben
Unser Central Park von Herzogenaurach
Der Türmersturm
Einer unserer Stadttürme
Der Wiwaweiher
Der See mitten in unserer Stadt
Die Altstadt
Das Herz unserer Stadt

Nächste Veranstaltung:

Stammtisch

Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


Weihnachten 1947

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Ein Radio für Ehrenbürger Friedrich Weiler

Vorbemerkung
: Ingenieur Haas aus München, Friedrich Weiler, damals Inhaber der „Fränkischen Radiogesellschaft OHG, Nürnberg", und sein Bruder Hermann Weiler bezogen in den 30-er Jahren vor dem 2. Weltkrieg die leer stehenden Gebäude der „Fränkischen Schuhfabriken, Nürnberg" in der Würzburger Straße.

Ziel war es, neben der Schuhindustrie eine krisenfeste Industriebasis in Herzogenaurach zu schaffen. Nach der Produktion für die Rüstung, startete die Fa. Weiler 1945 mit 25 Beschäftigten und produzierte anfangs Landmaschinen. Ende 1945 erlaubten die Siegermächte die Produktion von von kleineren Mechaniker Drehbänken. In der Folgezeit wurden vor allem aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Herzogenauracher als Mitarbeiter eingestellt; zu diesen kam noch eine Handvoll Schulabgänger. Friedrich Weiler wurde für seine Verdienste um den wirtschaftlichen Aufbau der Stadt 1968 zum Ehrenbürger ernannt.

Weihnachten 1947. Der heilige Abend fällt auf einen Mittwoch. Es ist tatsächlich so gekommen, wie man am Ende des Krieges prophezeit hatte, nämlich: „Der Krieg war schlimm - der Friede wird fürchterlich!"

Die Regale in den wenigen Lebensmittelläden in Herzogenaurach waren leer,

es gab kaum etwas zu kaufen, längst war man zum Selbstversorgen geworden und der Schwarzmarkt blühte. Wohl dem, der in einem eigenen Garten Gemüse unnd Kartoffeln anbauen konnte, der genügend Brennmaterial vorrätig hatte und glücklich schätzten sich diejenigen, die sogar noch Arbeit in der Stadt gefunden hatten.

Die Schuhindustrie lag darnieder, in der Sportschuindustrie ging schon seit Kriegsbeginn fast nichts . Es fehlte an Rohstoffen, am Kapital und an Abnehmern.Das nackte Überleben war angesagt, der Schwarzmarkt blühte.

Die US-Besatzer überwachten seit ihrem Einmarsch am 16. April 1945 das Wenige, das produziert wurde. So geschah es auch in der Firma Weiler in der Würzburger Straße.Ein Jahr vor Kriegsbeginn hatten sich die Brüder Weiler, aus Nürnberg stammend, an der Aurach niedergelassen. Weiler war der erste Betrieb, der nach dem Krieg Metall verarbeiten durfte, denn die Sieger hatten immer noch Angst, dass die „Krauts" (crowds = Krautfresser, das amerikanische Schimpfwort für die besiegten Deutschen), dass die Deutschen gleich wieder Waffen produzieren würden. Und dann gab es in der Stadt lediglich noch den Versuch, die ehemaligen Schuhfabriken in Gang zu bringen. Doch das scheiterte größtenteils an den fehlenden Rohstoffen. 

Die NS Machthaber hatten in den Kriegsjahren die Produktion von „Panzerschreck-Waffen" mit kleinen Torpedos angeordnet, - kein Wunder also, wenn die Firma Weiler, „als Rüstungsbetrieb eingestuft", in den Nachkriegsjahren strengstens überwacht wurde.Und so wurden dann u.a. Kartoffelpressen produziert, - statt für die Waffenproduktion waren sie für die Klößproduktion gedacht. Man produzierte Fahrradständer, auch wenn dafür der Markt fehlte  und selbige nicht unbedingt gebraucht wurden - und man stanzte Nudelsiebe aus ehemaligen Stahlhelmen.

In dieser Krisenzeit versuchte Vater Maier - im ehemaligen Kommunbrauhaus an der Schütt wohnend - für eines seiner zehn Kinder einen Arbeitsplatz zu ergattern. Am 06. Oktober durfte der kleine Fritz, gerade der Schule entwachsen, eine Lehrstelle als „Stift" in der Firma Weiler mit der Arbeit beginnnen. „Nicht unten in der Firma, wo die allgemeinen einfachen Dinge hergestellt wurden, - nein, oben im 1. Stock, bei den „Besseren", wo eine Handvoll von Experten an der Herstellung von Weiler Radiogeräten tüftelte", so teilte Fritz später voller Stolz mit. Und hier "oben" durfte Fritz dabei sein, während „unten" provisorische Feueranzünder hergestellt wurden, wo man Spezialschalter in die Glühbirnen einbaute, weil von dort der Strom für das Bügeleisen abgezapft wurde, denn es war eben die Zeit, in der das Improvisieren angesagt war.

Friedrich Weiler, der in seinem aufstrebenden Unternehmen später Hunderte in der Metallbranche beschäftigte, war nun einmal ein „Radio freak" wie man heute sagen würde. Kein Wunder, dass seinen Hauptverantwortlichen im 1. Stock des Betriebs in der Würzburger Straße, dort wo heute Geschäftshäuser und ein Altenwohnheim stehen, etwas einfallen musste. Im Dezember 1947 , als die wirtschaftliche Not am größten war, wurde das erste „Weiler Radio" in Herzogenaurach fertiggestellt. Gerade zu Weihnachten war es, als man den Lehrbuben Fritz Maier beauftragte, das Gerät beim Chef abzugeben.

Und Fritz Maier erinnerte sich an diesen „großen Tag" als wenn er gestern gewesen wäre: „Ich musste das Gerät hinübertragen zum Chef. Er wohnte in der Ansbacher Straße. Ich habe geklingelt und dann hat Frau Weiler die Tür geöffnet. Als ich das Radiogerät überreichen wollte, hat Frau Weiler ihren Mann gerufen. „Komm doch mal raus....!" Und alles andere lief dann ab wie im Traum!

Der kleine Lehrbub Fritz Maier erhielt als Dankeschön von Friedrich Weiler ein rot-blau kariertes Hemd, ein Hemd, das zu jener Zeit etwas Besonderes war, weil es keine Flanellhemden im freien Verkauf gegeben hat.

Und das Schicksal wollte es, dass Fritz Maier noch ein zweites (beige kariertes) Flanellhemd erhalten hat, denn alle Weiler Mitarbeiter bekamen ein solches vom Chef als Weihnachstsgeschenk. Fritz Maier schwärmte bis zu seinem Tod immer von seinem „Cowboy-Hemd" und natürlich vom Weiler Radio, das allerdings nur in geringen Stückzahlen produziert worden war. „Vielleicht 200 bis 300 Stück", so Fritz Maier und er ergänzt „die Holzgehäuse hat der Kunner Möhrenschlager g´macht. Es gab sie in in Limba lackiert oder in Mahagoni, - die waren nicht so glänzend. - Radio München und Radio Nürnberg hat man damit reibracht und manchmal aa Radio Stuttgart, aber des hat manchmal ganz schö pfiffn", soweit Fritz Maier.

Doch schon nach der Währungsreform (1948) kam das Aus für das Radio der Metallfabrik Weiler. Die großen Firmen wie Grundig, Saaba oder Loewe Opta  hatten längst die Marktlücken entdeckt.

Fritz Maier:Jahrgang 1933, lernte ab 06.10.1946 als Maschinenschlosser in der Fa. Weiler.

Bis zu seinem Renteneintritt 1991 blieb er dem Unternehmen treu; den Umzug des Unternehmens nach Mausdorf machte er jedoch nicht mehr mit. In seiner Freizeit war Fritz Maier ein begeisterter Krippenbauer, den es vor allem Herzogenauracher Motive für seine Krippen angetan hatten. Die Geburt von Nazareth verlegte er in seinen heimatlichen Krippen u.a. in die ehemalige Gaststätte „Walfisch" (heute Bücher,Medien & mehr), unter die Steinerne Brücke oder in das Haus Steinweg 5 (heute Heimatverein). Die letztgenannte Krippe befindet sich als Leihgabe im Haus Steinweg 5. Der einstige Radiobauer und Hobby-Künstler ist 1999 verstorben. Das Gespräch mit ihm führte der Verfasser 1996/97.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD