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Zimmerer: Von der Ziegelhütte zum Bauernhof

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zimmerer.jpgHerzogenaurach. Sie zogen im Jahr 1735 aus Vilseck in der heutigen Oberpfalz ins fränkische Herzogenaurach und sie blieben hier. Sie waren ursprünglich Tuchmacher, avancierten dann zu Zigelbrennern und verdienen heute ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft im Herzen Herzogenaurachs. Es ist die Geschichte der Familie Zimmerer, die heute am Ende der Adlerstraße und unterhalb der sogenannten „Nutzung" noch immer einen Bauernhof bewirtschaftet.

„Ich war scho immer a Bauer und ich bin und bleib´a Bauer", so Anton Zimmerer, der Herr über 21 Milchkühe auf seinem Hof gegenüber dem Wiwa-Weiher. Und Ehefrau Katharina, aus Welkenbach stammend, nickt zustimmend. 280 Jahre sind es nun, dass die einstigen Altbayern echte Franken und „Herziaurier" geworden sind. Dass das nicht immer einfach war, beweist die Geschichte  seit dem 18. Jahrhundert.

Auch wenn die Zimmerer sich in erster Linie der Landwirtschaft verschrieben haben, so ist ihr Name doch über Generationen hinweg mit der Ziegelhütte und der Ziegelbrennerei verbunden. Da die Herstellung von Mauer- und Dachziegeln nicht immer soviel einbrachte, dass man davon gesichert leben konnte, schuf man sich mit der Landwirtschaft ein zweites Standbein. Aber eigentlich und ursprünglich waren die Zimmerer wie mehr als die Hälfte der Herzogenauracher Tuchmacher

Reichtum hat die Familie über viele Jahre nicht gescheffelt, auch wenn sie heute über „reiche", sprich große landwirtschaftliche Flächen verfügt. Von der Adlersteraße bis hinauf zum Neubau- und Industriegebiet an der Ringstraße reicht ein Teil der Besitzungen. Die Struktur der saftigen grünen Flächen hinter dem Anwesen der Zimmer lässt noch heute erahnen, dass hier Lehm gestochen wurde. Von der „Lahmi-Grubn" sprach der Volksmund und alle einstigen Ziegelbrenner, so auch die Zimmerer, waren eben die „Lahmi-Britscher" und zwar bis in die Nachkriegszeit. Der rötliche, fette Lehm, der nach einer Anordnung aus dem Jahr 1452 für den damaligen „Ziegler"zu Backsteinen und Dachziegeln einer vorgeschriebenen Länge, Breite und Stärke gebrannt werden musste, wurde bis hinauf zum heutigen Schuttberg abgebaut. Und mancher Weiher im Gebiet der „Nutzung" war einst v ielleicht eine Lehmgrube. Die städtische Auflage, die Lehmgruben nach deren Ausbeutung wieder aufzufüllen, ist wohl nicht immer ernsthaft befolgt worden.

Die Ziegelhütte war eines der großen Sorgenkinder für die Herzogenauracher Verwaltung. Verfolgt man die Chronik des Anwesens, die unser großer Heimatforscher Luitpold Maier um 1940 angelegt hat, so kann man nur verwundert den Kopf schütteln: Kaum ein Pächter hat es länger als ein Jahr ausgehalten und so gab es einen ständigen Besitzerwechsel. Das hängt bis etwa 1810 nicht nur mit dem geringen Ertrag zusammen, den die Ziegelei abwarf, sondern auch mit der Lage des Anwesens.

Die Ziegelei lag außerhalb der befestigten Anlagen, war ungeschützt und bei allen kriegerischen Auseinandersetzungen war sie im Aufmarschgebiet feindlicher Truppen. Und da wurde geraubt und geplündert und zerstört, was man nicht mitnehmen konnte. Zuletzt war das der Fall in den napoleonischen Kriegen ab 1795 als Herzogenaurach Kriegsgebiet war für Franzosen, Preußen und Österreicher und mehrfach den Besitzer wechselte, bevor sie endgültig zum Königreich Bayern kam.

Doch da war das Anwesen längst im Familienbesitz der Zimmerer. 1735 hatte der Pächter der Ziegelhütte, ein Hans Luhmayer, das Zeitliche gesegnet. Von den sechs Erben war eine Tochter mit dem Zeugmacher (Tuchmacher der bestimmte Mischformen an Tuchen herstellte)  Johann Zimmerer  aus Vilseck verheiratet.  Dieser hatte den Betrieb ab 1735 bis zu seinem Tod 1771 weitergeführt  und zu seiner Genugtuung erlebt, dass der Hof von seinem Sohn Jörg übernommen wurde.

Am 21. Januar 1793 verstarb eben dieser Jörg Zimmerer im Alter von 56 Jahren.

Afra, „seine hinterlassene Witwe", führte zusammen mit Sohn Johann, der ebenfalls noch Tuchmacher war, den Betrieb weiter. 1805 ließ Afra bei der Stadtgemeinde den Hof auf diesen Sohn Johann überschreiben, sicherte den Töchtern einen finanziellen Ausgleich zu und nahm für sich das lebenslange Wohnrecht im Anwesen in Anspruch, das ursprünglich einem Taglöhner zugestanden hatte.  Sie hatte auch das Recht, eine Kuh halten zu dürfen, für die Sohn Johann einen Stall bauen musste.

War das die Geburtsstunde für den Bauernhof der Zimmerer, der heute noch besteht? Wir können es nur vermuten.

Das gesamte Anwesen wurde dann von der Stadt auf seinen tatsächlichen Wert geschätzt. Alles wurde fein säuberlich festgehalten, was zum Hof gehörte: „ein von Holz gefügtes Haus - 60 Schuh in der Länge, 35 Schuh in der Breite, 38 Schuh in der Höhe (1 Schuh ca. 30cm) bis zum First mit 2 Stuben, 3 Kammern, 2 Küchen und 1 Stall - sowie 3 Kammern im Obergeschoß". Weiterhin gehörten zu dem Anwesen 1 Stadel, die Ziegelhütte, deren „innere Einrichtung ist zum Fertigen von Ziegeln und Backsteinen", schließlich 1 Brennofen von 36 Schuh Länge und ein „Kalchofen"  sowie ein Backofen (jeweils 10 Schuh lang) mit einem Hausgärtlein und einem Viertel Garten hinter der Ziegelhütte.

Mutter Afra (eine geborene Kaltenhäuser) starb 1815, ihr Sohn Johann wurde 74 Jahre alt und 1825 zu Grabe getragen. Das Erbe ging an seine Witwe Maria Anna, die es 1833 ihrem 22-jährigen Sohn Ignaz überschrieb, der 1835 das Bürgerrecht erwarb und erstaunlicherweise wie sein Vater das Tuchmacherhandwerk erlernt hatte. Ignatz hatte noch 11 Geschwister. Ob er sie alle auzahlen musste ? Ganz ohne werden sie nicht ausgegangen sein.

Wir sehen, dass Herzogenaurach bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine bedeutende Tuchmacherstadt in der Region war.

Und wie ging es dann mit den Zimmerern weiter?

Ignatz, der noch einen Dachstuhlbrand 1841 verkraften musste, dessen Schaden aber unbedeutend war, überschrieb das Anwesen seinem Sohn Adam, der es  wiederum an den heutigen Erben Anton übergab.  Die Ziegelhütte wurde anfangs der 50-er Jahre aufgegeben und seitdem sind Anton und Katharina nur noch Landwirte mit Leib und Seele, genauer gesagt, sie waren es bis 2012. Da haben sie den Hof an Sohn Andreas und dessen Frau Jeanette überschrieben. Jeanette hat ein abgeschlossenes Gartenbaustudium und wird zusammen mit Andreas den Hof weiterhin im Nebenerwerb führen - unterstützt  nach wie vor von den Rentnern Anton und Rina.

Auf einen Stall mit 23 Rindern, davon 10 Milchkühen, auf 29 Hühner und einen Hofhund kann Erbe Andreas von seinem schmucken Wohnhaus blicken, das er sich oberhalb des Zimmerer Geländes gebaut hat.

Aber dennoch bleibt die Frage:

Wie lange wird es mit dem Bauernhof der Zimmerer in der Herzogenauracher Innenstadt noch weitergehen? Wie lange wird sich das junge Paar noch die Zeit nehmen, den Hof als Hobby zu bewirtschaften.?

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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