Postkarten 5

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Mit zunehmender Kriegsdauer wurden die Lebensmittel mehr und mehr rationalisiert und durch „Ersatzzstoffe" ersetzt. Dennoch: die Verantwortlichen um den Kaiser und die Militärs verkündeten lauthals neue Durchhalteparolen, die auf Postkarten verkündet wurden.

So steht auf einer solchen Karte „Gott schütze unser Vaterland" und unter  einer Kaiserkrone, von einem Lorbeer - Siegeszweig umgeben hängt das Eiserne Kreuz. Es war ursprünglich in den Befreiungskriegen von 1813 Vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm für besondere Tapferkeit gestiftet worden, wurde aber ab 1914 zu einer „deutschen Auszeichnung", die im Verlaufe der kriegerischen Auseinandersetzung mehr und mehr zum Massenartikel degradiert wurde, auf das sicher viele der Soldaten verzichtet hätten, denn unter den Trägern wurde die Zahl der Invaliden immer größer.

Am 1. August 1916 war das Brief- und Postkartenporto um 50% erhöht worden. Statt 5 Pfennigen kostete die Postkarte nun 7,5 Pfennige. Um die Produktivität im Kaiserreich zu erhöhen, gleichzeitig aber Energie zu sparen, wurde die Sommerzeit erstmals eingeführt.

Auf einer Postkarte aus jenen Tagen steht der „deutsche Michel" (er war seit dem Mittelalter als stoltzer, siegreicher Erzengel Michael das Symbol für ein siegreiches deutsches Reich geworden, aber nach den Wirren des 30-jährigen Krieges zum armseligen Michel degradiert worden) vor einem überdimensionalenZifferblatt, dessen Zeiger statt auf  zwölf Uhr erst kurz vor 11 Uhr stehen und der entsprechende Spruch lautet: „Erfinderisch ist jetzt die Welt - Sie spart an Fleisch, an Brot und Geld - Auch nötig ist zu unserm Sieg, dass man spart Zeit und Licht im Krieg."

Und Christoph Dassler fragt seine Pauline auf der Rückseite dieser Karte, ob er Spiritus und Kohle für das Dampfbügeleisen mitrbringen soll; beides konnte er in Nürnberg auf dem Schwarzmarkt erwerben.

Und damit den Deutschen in der Heimat der Humor ja nicht ausgehe, gab es Karten mit einem gut aussehenden Mann neben zwei elegant gekleideten Damen, die ein Schreiben in Händen halten, und mit der Überschrift: „Männer nur gegen Bezugsschein". Und auf einer anderen Postkarte mit fünf jungen hübschen Damen, die auf Männerbekanntschaften warten, lesen wir „Ohne Bezugsschein!" Denn die wichtigsten Güter gab es inzwischen, wenn überhaupt, dann nur über Bezugsscheine.

Nicht nur Familienoberhaupt Christoph Daßler schrieb immer wieder Karten aus Nürnberg an Ehefrau Pauline oder an die Söhne Fritz, Rudolf und Adolf. Alle diese Karten sind in der Sammlung des Heimatvereins konserviert. 

Am 19. September 1918, also wenige Tage vor Kriegsende, schreibt Rudolf Daßler an seinen Bruder Adolf, der inzwischen bei einem Ersatzbataillon in Regensburg stationiert ist, und fragt ihn, warum er nicht mehr in Urlaub gekommen ist..." Interessanter als der Text ist die Vorderseite der Karte: Sie  zeigt eine zu einem Panzer umgestürzte Metallbadewanne unter der zwei Soldaten kriechen. Das Ganze wird als neuer „Panzerschreck" und als „Schleich-Kontrolle mit Panzerschutz deklariert und auf der Wanne steht zum Spott „Bade zu Hause!".   Auch wen die Deutschen noch so sehr spotteten: Der Einsatz von Panzern auf englischer Seite (Modelle „Little Willi" und „Big Willi" sowie der im Feld einsetzbare Mark I ab 1916) war seit 1917 in den Schlachten im Westen längst üblich.

Dass auch der Luftkampf gegen Kriegsende auf Postkarten dargestellt wurde, erfahen die Leser in der nächsten Folge.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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