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Kluxen: „Sterben, Tod und Trauer in Franken“

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Dr. Andrea Kluxen, die Bezirksheimatpflegerin für Mittelfranken, kommt gerne nach Herzogenaurach. Hier findet sie beim Heimatverein ein fachkundiges und interessiertes Publikum. So auch beim letzten Besuch, als sie über Brauchtum rund um Tod und Sterben in Franken referierte.

In der Antike bestatteten die Menschen in Ägypten, Griechenland und im römischen Imperium ihre Verstorbenen außerhalb ihrer Siedlungen. Im Christentum wurden seit dem 4. Jahrhundert Geistliche und Adlige in den Kirchen beigesetzt, Laien außerhalb rund um die Gotteshäuser. Oft dienten in Klöstern auch die Obstgärten als Friedhof.

In Herzogenaurach wurden die weltlichen Verstorbenen (Laien) bis ins früher 19. Jahrhundert rund um die Pfarrkirche begraben, bevor der heutige „alte Friedhof“  angelegt wurde. Die Überreste der Verstorbenen, also unverweste Gebeine sammelte man in eigenen Gebeinhäuserm oder Kapellen, im sogenannten Karner (Karner = Geinhaus). In Herzogenaurach diente die Gruft unterhalb der Marienkapelle  als Karner. Noch heute sind in Greding, Heiligenstadt oder Waischenfeld sowie in Österreich und Süd-Tirol solche Karner erhalten.

Im 12. Jahrhundert wurden hochgestellte Persönlichkeiten aus Adel und Klerus  in Baldachin-Gräbern oder Stiftergräbern beigesetzt oderdie Gräber wurden  am Boden mit Bodenplatten gekennzeichnet.. Ein typisches und besonders schönes Hochgrab ist das des heiligen Sebald in der gleichnamigen Kirche in Nürnberg, doch auch das von Tilmann Remenschneider geschaffene Grab des Kaiserpaars Heinrich und Kunigunde im Bamberger Dom steht dem in nichts nach. Die Nürnberger Markgrafen ließen in ihrer Grablege im Münster von Heilsbronn  solch prunkvolle Hochgräbernschaffen.

Mit der Gotik wurden die Grabplatten vom Boden an die Wände verlegt. Hier kam letztlich auch der Faltenwurf der kunstvoll geschaffenen Gewänder besser zur Geltung. Epitaphien, also Metall- oder Holzplatten zur Erinnerung an Verstorbene, wie wir sie auch vom Chor der Herzogenauracher Magdalenenkirche kennen wurden an Wänden, Pfeilern oder auch an den Außenwänden der Gotteshäuser angebracht

Seit der Reformation  änderten sich die Beerdigungszeremonien. Ab 1520 wurden die Friedhöfe zur Abgrenzung von Lebenden und Toten mit Mauern umgeben. Anstelle der antiken Totenklage rückte die Leichenpredigt immer mehr in den Mittelpunkt der Begräbnisse. In Mainfranken,speziell im Landkreis Kitzingen, entstanden so die typischen Friedhofskanzeln. Sie dienten ausschließlich für die Predigt beim Begräbnis..
Im Gegensatz zu den fast schmucklosen Beerdigungen im Evangelischen, nahmen im Barock – ab ca. 1650 – bei den Katholiken und hier in erster Linie beim Adel pompöse Beerdigungen zu.. Großartige Trauerzüge faszinierten die Trauergemeinde und auf die üppigen Festgelage folgte oft moantelange Trauer für das Volk. Was dem Adel gefiel, wurde schließlich auch Maßstab für bürgerliche Begräbnisse. Einfache Holzkreuz wichen solchen aus Schmiedeeisen, später wurden auch monumentale steinerne Grabsteine errichtet.

Manches änderte sich dann mit dem Zeitalter der Aufklärung. Hölzerne Särge waren längst Pflicht, ebenso die dreitägige Aufbahrung der Toten (wegen eventueller Scheintoter) im  Sterbehaus. Bei  der Totenwache kam es des öfteren zu Exzessen mit Alkohol und Kartenspiel; und „Leichenbitter“ luden zur Beerdigung ein und zum „Leichenschmaus“ ein. Auch die schwarze Trauerkleidung, aus Italien übernommen, setzte sich nun durch.

Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Leichenhäuser gebaut. Mit ihnen änderte sich auch das Gesicht der Friedhöfe. Auf den Grabsteinen wurden immer mehr süßliche Christusfiguren, Engelchen oder große steinerne  Urnen gesehen, die Gräber wurden mit steinernen Einfassungen versehen. Wohlhabende Familien leisteten sich Findlinge oder Felsen als Grabsteine oder sogar Mausoleen.

Findige Unternehmer boten  bald industrielle Massenware für Gräber an: Metallene Figuren oder solche aus Stein, Büsten und vieles mehr. 1880 wurde in Gotha das erste Krematorium eröffnet. Damit mussten eigene Grabparzellen angelegt werden  und immer mehr Kommunen schufen  eigene Friedhofssatzungen. Auch Soldatenfriehöfe wurden nach 1918 angelegt.

Inzwischen gibt es zahlreiche Sonderformen bei Bestattungen: Seebestattung, ja sogar Weltraumbesttatungen werden inzwischen gewünscht, Friedwälder und Baumbestattungen sind aktuell und wer möchte, kann sich die Asche eines geliebten Verstorbenen, zum Diamanten gepresst, um den Hals hängen. 

 

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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