ASV Herzogenaurach 90 Jahre

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
Unentschieden gegen den Deutschen Rekordmeister

Herzogenaurach (gä) Das waren halt noch Zeiten, als 7000 Fußballbegeisterte sich am Herzogenauracher ASV-Platz drängten und der damalige Bayernliga-Meister, der ASV den Profis um Beckenbauer, Maier, Hoeneß und Müller ein 2:2 in einem Freundschaftsspiel abtrotzte. So geschehen im Juli 1974.

Am kommenden Wochenende kann Herzogenaurachs langjähriges Aushängeschild im Fußball sein 90-jähriges Jubiläum feiern. Zahlreiche Höhen, aber auch Tiefen bestimmten die Geschichte des „Allgemeinen Sportvereins", der am 31. März 1946 im Volkshaus in der Würzburger Straße neu gegründet wurde.

Die Vereinsgründung

Schon vor Ausbruch des 1. Weltkriegs kickten Herzogenaurachs Jugendliche. Mitten im Krieg wurde der 1.Fußballclub aus der Taufe gehoben (1916) und kaum waren die letzten Schüsse verhallt, gründeten Mitglieder des Arbeiterturnvereins Frankonia die „Fußball-Unterabteilung" unter dem Namen „Sportclub Pfeil". Bekannte Herzogenauracher Familiennamen tauchen im Gründungsprotokoll auf: Weber, Peetz, Krumm., Bretting, Bucher und Lohmaier. Der Bekannteste unter ihnen war der spätere Bürgermeister Hans Maier.

1925 schloss man sich mit anderen sportbegeisterten und kulturell engagierten Herzogenaurachern zu einem neuen Verein zusammen, zur „Freien Union". Von Anfang an kickte man auf der „Zimmerers Wiese" zwischen der heutigen Langenzenner Straße und der Parkstraße, später auf der „Geißbockwiese" an der Ansbacher Straße in Höhe des „Schwalbennestes".

Anfangs kickte man in der Verbandsliga des Fußballkreises Erlangen-Bamberg-Forchheim, spielte gegen Bruck, Vach, Baiersdorf und musste in Gaustadt, Bamberg und Forchheim antreten. Und wenn das Geld für die Bahnfahrt nicht reichte, reiste man mit dem Fahrrad, dem Pferdefuhrwerk an oder legte die Strecke zu Fuß zurück.

Auflösung und Neugründung

Und dann kam der „Schwarze Dienstag 1933", der 2. Mai, als SA-Leute  das Vereinslokal im Volkshaus besetzten, das Vermögen beschlagnahmten und alle Unterlagen des Vereins vernichteten. Nach der Neugründung 1946 musste man auch die Heimspiele zunächst auswärts bestreiten, weil man mangels einer eigenen Sportanlage nur als Gast die Gelände des Turnvereins und des 1.FC benutzen durfte.

Dank der Initiative des Stadtrats und vor allem des Gründungsmitglieds Bürgermeisters Hans Maier wurde dann der ehemalige Badeweiher an der Ansbacher Straße gewonnen, aufgeschüttet und als eigener Sportplatz 1949 eingeweiht. Fünf Jahre später wurde auch durch große Eigeninitiative das Vereinsheim vollendet. Hierbei wurde weitgehend Abbruchmaterial von den Landebahnen des Fliegerhorstes verwendet. Mit Errichtung des eigenen Heims verlagerte sich das Vereinsleben vom Volkshaus und dem Ansbacher Tor in das Sportheim.

Sportliche Erfolge

Die sportlichen Erfolge des ASV könnte man überschreiben „Von der Fahrstuhlmannschaft zum Bayernliga-Meister". Nach häufigem Auf und Ab gelang dem Jubelverein 1957/58 erstmals der Meisterschaft der A-Klasse und der Aufstieg in die Bezirksliga. In den folgenden Jahren machte sich die intensive Jugendarbeit des Vereins bezahlt. 1968 stieg der Verein in die Landesliga Gruppe Mitte auf. Und im Oktober 1968 fieberte man dem Derby gegen den Lokalrivalen FC entgegen. 3500 Fußballfans wohnten dem 1:0 Sieg des ASV bei, betrachtet man die Häuflein der wenigen Vereinstreuen auf Herzogenauracher Fußballplätzen, so mutet diese Zahl schon fast utopisch an.

Doch diese Zuschauerzahl wurde noch verdoppelt, als man 1974 gegen den frisch gebackenen Europapokalsieger FC Bayern München antrat und gegen die mit den „Weltmeistern" angetretenen Münchnern ein respektables 2:2 ertrotzte.

Als Bayernliga-Meister blieb dem ASV 1973/74 der Aufstieg versagt, weil die Ergebnisse der zurückliegenden Bayern-Liga Jahre nicht für die 2. Bundesliga reichten.

Von ehemaligen Stars und eigenen Talenten

Ditti Pöhnl, Bruno Kroninger, „Sepp" Gerhard Welker oder Franz Ertl,Peetz und Zink,  das sind nur einige der großen Namen, mit denen der ASV fünf Jahre lang in der Bayernliga für Furore sorgte. Zu den Eigengewächsen kamen aus Nürnberg ehemalige Club-Profis wie Fritz Popp, Leupold, Müller, Derbfuß, Perras oder Friedel Paulick, den es im bezahlten Fußball in die die Pfalz und nach Kiel verschlagen hatte.

Es war gleichzeitig die Epoche fußballbesessener Funktionäre. Ohne den langjährigen Manager Herbert Haas und seinen Spielausschussvorsitzenden Hans-Heinrich Weber war der ASV in seiner Glanzzeit undenkbar.

Noch dazu besaß der ASV in den „Goldenen 70-ern" große Talente, die allesamt den Sprung in den bezahlten Fußball schafften. Erinnert sei an Jüriens, Litz, Güttler, Beiersdorfer (heute Manager beim HSV), Geier oder M. Kroninger.

Der Sturz in die Bedeutungslosigkeit

Nicht alle, die im Fußball-Leben des ASV Geschichte geschrieben konnten un d können erwähnt werden. Da war der legendär Mittelstürmer Andrea Meregalli, der „gnadenlose" Jugendtrainer Dr. Konrad Welker (Kunnerla), der Kerns „Thoma", Frank Seifert, der „Backersen" Heiner Kaltenhäuser, Willi Mehler und viele andere mehr. Und nicht zuletzt die rührige Vorsitzende Elke Sowa, die mit aller Kraft versucht, dem ASV wieder mehr Gewicht in einer höheren Spielklasse zu verleihen. Schließlich ging es seit 1988 und dem Abstieg in die damalige A-Klasse bis in die unterste aller Ligen.

Trotz allem ist man im Jubiläumsjahr guter Dinge, bald den Wiederaufstieg zu schaffen; dabei baut man auf den eigenen Nachwuchs und aus Fußballern aus Herzogenaurach und Umgebung, die sich nicht vom „großen Geld" locken lassen, das heute leider auch die Talente in den meisten Amateurvereinen bezahlt wird

           Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD