Heiraten-Hochzeit-Hochzeitsbräuche

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Herzogenaurach.

Zeitgenossen Auch wenn vielen Zeitgenossen bei winterlichen Temperaturen nicht zum Heiraten zuumute ist, beim Heimatverein stand im Rahmern des Gesprächskreises d „So war es früher...!“ das Thema Hochzeit und Hochzeitsbräuche auf dem Programm.

Gesprächsleiter K.-P. Gäbelei erinnerte zur Einführung daran, dass im Mittelalter die Braut mindestens 12 Jahre alt sein musste und der Bräutigam 14 Lenze zählen musste. Konsens (Zustimmung), Aufgebot und der Vollzug waren die Voraussetzungen für den Abschluss einer Ehe. Bis zur Reformation wurde die Ehe außerhalb der Kirche an Brautpforte geschlossen und danach wurde das Brautpaar in das Gotteshaus zum Hochzeitsgottesdienst geführt. An St. Sebald in Nürnberg kann heute noch die kunstvoll ausgestattete Brautpforte bewundert werden. Eine Vielzahl von Auflagen erschwerte bis vor 150 Jahren die Eheschließung – besonders auf dem Land. Arbeitgeber (Bauer), Bürgermeister und Pfarrer hatten ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Folglich stieg die Zahl der unehelichen Kinder auf 1/3 aller Geburten. Das änderte sich erst, als unter Kanzler Bismarck 1876 die Zivielehe eingeführt wurde.

In Franken war es üblich, dass ein Hochzeitslader (Schmuser) zur Hochzeit einluden. Vielfach waren dies Viehhändler oder jüdische Mitbürger, die sich in den Besitzverhältnissen der Braut- und Bräutigameltern bestens auskannten.  Eine große Hochzeitsfeier dauerte dann bis zu drei Tagen, wobei beispielsweise in Zeil/Main 1611 zwei Schweine, drei Hammel, zahlreiche Hühner und Fische verspeist wurden. Zwei Spielleute spielten zur Unterhaltung auf.

Im bürgerlichen Bereich  in fränkischen Städten wurde bei der Brautwerbung um die Hand angehalten. Es folgten der „Aushang“ auf dem Rathaus und das Brautgespräch oder sogar ein Eheseminar beim Pfarrer. Die standesamtliche Trauung fand in der Regel an Freitagen statt, die kirchliche Trauung folgte dann am Samstag oder Sonntag. Hilde T., aus der Eckenmühle stammend, erinnert sich, dass sie damals in Münchaurach vom Bürgermeister getraut worden ist, denn ihr Elternhaus gehörte zu Falkendorf/Gemeinde Münchaurach. Die Bürgermeisters Gattin putzte gerade das Haus und der Bürgermeister, der den Termin vergessen hatte, war beim Strohschneiden und kam „in Dreck und Speck“.  „Wegen der paar Minuten Trauung hat er sich nicht extra umgezogen“, so Hilde T. „Nach ein paar Minuten waren wir getraut und die Hausfrau hatte die Stube blitzblank geputzt“, so Hilde T.

In der Stadt ging es da schon vornehmer zu. Die Eltern des Hochzeitspaars, die Trauzeugen und die Gäste waren vornehm angezogen, meist in schwarz gekleidet. „Solch neumodische Bräuche, dass man nach der Trauung Reis auswirft, hat es bei uns nicht gegeben“,  so eine Gesprächsteilnehmerin. (Anmerkung: Das Reisauswerfen soll in anderen Kontinenten reichen Kindersegen bescheren!)

Während früher ein zünftiger Polterabend vor der kirchlichen Trauung abgehalten wurde, bei dem oft Wagenladungen von Prozellen zerschlagen worden sind, gibt es seit Jahren statt des Polterabends mehr und mehr „Jungesellen- und Jungesellinnenabschiede“.  Da wird das Ende „der Freiheit und des Ledigseins“ im Freundeskreis mit allerlei „Events“ gefeiert: Man lädt zu einer Kanupartie an der Altmühl mit anschließendem Lagerfeuer ein oder junge Damen ziehen mit einem Handwagen, reichlich mit alkoholischen Getränken beladen und im gleichen „Qutfit“ durch die Stadt und bereiten der Braut so einen erinnerungswerten Abschied aus dem „Single-Dasein“.

Noch nach dem Krieg bezahlten Bräute die Hochzeitsschuhe mit Pfennigen  als Ausdruck ihrer guten „wirtschaftlichen Situation“.

Bei der kirchlichen Trauung, - früher war eine Heirat ohne kirchklichen Segen undenkbar -  flossenen manche Tränen, Freudentränen  natürlich -  und wenn der Himmel noch dazu ein paar Tropfen Regen entsandt hat, dann sollte das Glück des jungen Paares angeblich perfekt sein. Oftmals wurden nach der Trauung dem Brautpaar Brot und Salz gereicht

Die Hochzeitsfeier wurde früher im Fränkischen in der Regel im Haus der Braut gefeiert. Oftmals wurde die Wohnung soweit ausgeräumt, dass zahlreiche Gäste Platz zum Feiern hatten. „Wir haben von unseren Nachbarn Stühle und Tische ausgeliehen, extra eine Köchin eingestellt und im leeren Schlafzimmer wurde zu Quetschenmusik getanzt“, so eine Braut von früher.

Üblich war auch die Entführung der Braut. Dem Bräutigam blieb nicht anderes übrig, als die Angetraute in einem benachbarten Gasthaus ausfindig zu machen und die Zeche zu begleichen, welche die trinfesten Entführer hinterlassen hatten. 

Und was wurde in der Nachkriegszeit zum Hochzeitsmahl serviert? Eine Hochzeitssuppe mit Mark-, Leberklößchen und Pfannkuchenstreifen gab es zuerst. Oftmals musste das frisch getraute Paar gemeinsam mit einem Löffel essen. Danach kam Rinderfleisch mit Kree auf den Tisch, diesem folgte Rinder- oder Schweinebraten mit „grünen Klößen oder Servietten-Kloß“ und danach oder zum Kaffee wurden „Kiechli“ und Kuchen sowie Torten gereicht.

Die Hochzeitstorte musste vom Brautpaar gemeinsam angeschnitten werden  und derjenige von den beiden, der die Hand auf dem Messer hatte, sollte später das Sagen in der Ehe haben.

Und das große (FR)Essen setzte sich dann am Abend fort. Obligatorisch waren Bratwürste und wer dann noch immer nicht genug gegessen hatte, konnte sich an Wurst und Käse gütlich tun. Dass dem Alkohol in Form von Bier, Wein und Schnaps tüchtig zugesprochen wurde, versteht sich von selbst.

Eine Reihe wanderer Bräuch waren das gemeinsame Zersägen eines Baumstamms nach der Trauung. Der Zug an der Säge sollte auf die Gemeinsamkeit in der Ehe hinweisen. Viele Brautkinder im Gefolge des Paares sollten auf reichen Kindersegen hindeuten und möglichst viele Brautjungfern standen dafür, dass böse Geister von der Braut ferngehalten werden sollten.

Am Nachmittag durfte die Braut ihren Brautstrauß rückwärts in das Spalier der anwesenden unverheirateten weiblichen Gäste werfen. Diejenige, die Strauß auffing würde die nächste Braut sein – so der Volksglaube.

Und dass die Braut in „weiß“ ging, versteht sich von selbst. Das bürgerte sich allerdings erst in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts ein. Bis dahin war das schwarze Brautkleid üblich. Nur ein kleiner weißer Schleier zierte die Braut.

Der künftige Ehemann durfte das weiße Brautkleid vor der Trauung nicht zu Gesicht bekommen. Wenn er dann nach langer Feier die Angetraute in die gemeinsame Wohnung brachte, musste er die Gattin über die Schwelle tragen, damit böse Geister ihr nichts anhaben konnten.

Im Schlafzimmer hatten allerdings häufig Freunde des Paares ihren Schabernack getrieben, die Matratzen ausgehängt oder Blechbüchsen unter den Betten angebracht. Wie sieht ist und konnte eine Hochzeit für das Jubelpaar ziemlich anstrengend sein.

 

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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