Gesprächskreis Gori

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Vom Gori und vom Schlori

Herzogenaurach. (gä) „Schmeckt das Essen?" - auf diese Frage hört man von einem echten Franken die lapidare Antwort: „Passt scho!".  Doch immer häufiger steigert sich der fränkische Gourmet und es kommt ihm das Preußische „lecker, ganz lecker" über die Lippen. Das echte Fränkische droht von„denglischen" und preußischen Ausdrücken überrollt zu werden..

Beim Heimatverein stand daher das Thema „Fränkische Ausdrücke - vom Aussterben bedroht" beim letzten Gesprächsabend „So war es früher..." auf der Tagesordnung.

Gesprächsleiter Herbert Dummer fragte Nach: Wer kennt noch den „Gori" oder den „Schlori"? Der Erstgenannte ist und war ein „fränkischer Fregger", also ein Schlitzohr, Letzterer fiel durch eine gewisse Leichtlebigkeit auf, er „schlenkerte" halt durchs Leben. Und dann gab es früher auch noch den „Gaag", einen Menschen, der in der Regel immer gut gelaunt, lustig und zum Blödeln oder „Schekern"(jüdisch: Schäckern) aufgelegt war.

Wenn ein Mädchen „fichelant", also „umtriebig" war, so war es schon „a echter Fecher" oder gar „a Schlothex". Als „Schicksn" bezeichnete man ein leichtlebiges Mädchen; und wenn sich dieses in der Nachkriegszeit mit amerikanischen Soldaten traf, dann hieß es: „Su a Ami-Schicksn". Noch deftiger fiel da der Begriff „Sulln" für ein leichtlebiges Frauenzimmer ins Gewicht, das noch dazu ein wenig schlampig sein konnte. „A Scheesn" oder gar „a alte Scheesn" war die negative Bezeichnung für eine ältere Frau, wurde aber auch für ein älteres „Modell" gebraucht, wenn man von einer „Kinnerscheesn" (Kinderwagen) oder abfällig oder sogar voller Anerkennung von einem Auto sprach (a Ami-Scheesn).

Auf das hochdeutsche Wort „ducken"  geht die fränkische  Bedeutung gleichen Wortlauts zurück. Wenn man jemand beim Baden „geduckt" oder „geduchtelt" hat, so hat man ihn unter Wasser gedrückt. Demzufolge waren vielerorts die „Wasserduckerla" die Entenart, die auch „Duchterla" genannt werden, Und wenn sich jemand immer nur „duckt", also beugt, so hat er kaum einen eigenen Willen, gibt zu leicht nach und unterwirft sich. Ein „Duckser oder Duckmäuser" ist dagegen schon eher ein wenig hinterhältig oder heimtückisch, der manchmal um die Ecke „lurt" (lauernd horcht, verstohlen schaut). Wenn Kinder beim Versteckspiel „glurt" haben, dann haben sie verbotenerweise durch die Finger geschaut, um schneller fündig zu werden.

Längst gehören Brillen heutzutage zu einem Modeartikel. Noch vor wenigen Jahrzehnten hat man Brillenträgern sogar eine gewisse Intelligenz attestiert. Anders war das in der Nachkriegszeit, als der „Brillenglotzer" oder die „Brillenschlange" von Spiel- oder Schulkameraden gehänselt wurden.

Werfen wir abschließend noch einen Blick in die Arbeitswelt. Im Garten benutzte man ein Stechscheit (einen Spaten), Wurzeln und Unkraut entfernte man mit der „Reudn" (Reuthaue; Hacke zum Roden) oder mit dem „Freedla"- einer kleineren Haue, die auf der einen Seite zwei zinkig, auf der anderen flach war. Die „Quecken" (neuhochdeutsch: Graspflanzen), das Wurzel- und Graswerk wurde mittels einer „Roowern" (Schubkarre) oder mittels einer „Schenzen" (geflochtener Korb mit zwei Griffen) entsorgt.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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