Fußballserie 9 Benno Schuster

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Herzogenaurach. (gä) Der ruhmreiche Nürnberger Club macht wieder von sich reden. Erst ringt er dem Titelfavoriten Bayern München ein Unentschieden ab, dann besiegt er den Titelaspiranten Leverkusen und zuletzt kehrt er aus Berlin mit einem „Dreier" heim und scheint auf dem besten Weg, dem Abstieg aus der 1. Liga zu entgehen.

Einer, der jahrelang stolz das weinrote Trikot mit dem Club Emblem getragen hat, ist der Herzogenauracher „Benno" Schuster. Er reiht sich nahtlos in die lange Liste von Spitzenfußballern ein, die aus den Herzogenauracher Fußballvereinen hervorgegangen sind.

Aber Moment einmal: Wie und wo findet man den ehemaligen Profi? Die moderne Technik mit ihren Suchmaschinen hilft heute auf allen Gebieten. Doch die PC-Suchmaschine kann beim 1. FC Nürnberg keinen „Benno Schuster" finden. Dort gibt es neben einem Ludwig noch einen „Harald" Schuster und auf den treffen unsere Eingaben zu.

Harald Benedikt Schuster heißt der frühere Mittelfeld- und Abwehrspieler mit Taufnamen, der in der Clubjugend, bei den Club Amateuren und in der damaligen Regionalliga (2. Liga) am Valzner Weiher trainiert und gekickt hat. Bei der Familie und den Freunden war er aber, nach seinem Paten „Benedikt" getauft, immer nur der „Benno". In Weingarts, am Eingang zur Fränkischen Schweiz, und in Weisendorf aufgewachsen, war Benno Schuster eigentlich ein typischer Straßenfußballer, der Zeitlebens für sein Hobby gelebt hat.

„Kaum war die Schule aus, da wurde der Schulranzen in die Ecke geworfen und wir kickten am alten Weisendorfer Sportplatz bis die Sonne unterging", erinnert sich Benno. Und unter den Jungen war er derjenige, der gerackert und sich wie die Einheimischen sagen „zu Tode geschwanzt" hat.

Das war in der Schülermannschaft so und in der Jugend nicht anders. Und dann kam 1967 anlässlich der Weisendorfer Kerwa die A2 Jugend des Nürnberger Clubs zu einem Freundschaftsspiel zu den „Blummazupfern" nach Weisendorf und ein schmächtiger Jüngling besiegelte mit seinen vier Toren die 4:0 Schlappe der Clubjugend - eben dieser Benno Schuster.

Am Liebsten hätten ihn die Nürnberger Verantwortlichen sofort mit an die Pegnitz genommen, doch musste der quicklebendige Mittelfeldspieler erst eine halbjährige Sperre in Kauf nehmen. Er wechselte in die Noris und wurde zusammen mit dem späteren FC Spielern Franz Zimmert und Ebenhöh und zusammen mit Ewald Schäffner mittelfränkischer Jugendmeister.

Die Club Amateure waren seine nächste Station. In einem Kader von 35 Spielern biss er sich durch, trainierte nach der Arbeit fast jeden Tag in Nürnberg und ist heute noch seinen Trainern Heiner Müller und vor allem Jeno Vincze dankbar, „denn der Vincze hat mir das Fußballspielen richtig beigebracht", so Benno Schuster. Immerhin spielten die Club Amateure damals in der dritthöchsten Spielklasse und nahmen stets einen vorderen Tabellenplatz ein.

Noch reichte es nicht für einen Profivertrag in Nürnberg und Schuster ging zum Landesligisten FC Herzogenaurach. Hier fand er in der Bäckerei Neudecker Arbeit in seinem erlernten Beruf als Konditor und hatte genügend Zeit für sein Hobby. Unter Trainer Adi Knoll erzielte er als  Mittelfeldspieler 14 Treffer und trug damit wesentlich zum Aufstieg des hiesigen Clubs in die Bayernliga bei. Mehrfach trug er das Trikot der Bayernauswahl, bevor ihn der Nürnberger Coach Tschik (Zlato) Cajkovski zum Probetraining für den Profikader nach Nürnberg einlud.

Für Benno Schuster wurde ein Märchen wahr: Er erhielt 1972 einen Profivertrag beim ruhmreichen Nürnberger Club, der 1968 zum letzten Mal Deutscher Meister geworden war. Glück, was willst du mehr, auch wenn der „Club" damals nur in der zweithöchsten deutschen Fußballklasse, der 2. Liga Süd (Regionalliga) kickte!

25mal trug er das Nürnberger Trikot als Profi und kickte zusammen mit bekannten Nürnberger Fußballgrößen: Mit dem kürzlich verstorbenen „Schotten" Gerry Neef, mit Dieter Nüssing, Kurt Geinzer, Rudi Sturz, mit Manni Drechsler und Sepp Brunner. Er rackerte und kämpfte auf den Positionen, auf denen er von seinen Trainern Cajkovski und Hans Tilkowski eingesetzt wurde: in der Abwehr oder im Mittelfeld.

Schmerzhaft war das Ende seiner Karriere in Nürnberg: Nicht körperlich, sondern was den Erfolg betrifft. Die Mannschaft, hinter dem FC Augsburg in der 2. Liga Tabellen Zweiter, kämpfte um den Aufstieg ins Bundesliga Oberhaus und scheiterte am Ende um ein Tor an der obersten deutschen Spielklasse. Die Eintracht aus Braunschweig hatte die Nase vorn.

„Benno" Schuster kehrte nach Herzogenaurach zurück und beendete hier als Kapitän beim FC seine Laufbahn. Mit den Trainern Nowak und Brungs gelang ihm noch zweimal der Aufstieg in die Bayernliga. Rund 400mal spielte er für die blau-schwarzen Cluberer, rund 75 Spiele waren es für die Nürnberger in den verschiedenen Ligen.

„Meine schönsten Erlebnisse? Das waren die Spiele vor 50000 oder 60000 Zuschauern in der 2. Liga in Nürnberg gegen 1860 München oder den FC Augsburg und der dreimalige Aufstieg mit dem FC Herzogenaurach in die Bayernliga. Und am meisten schmerzt neben dem verpassten Bundesligaaufstieg der zweimalige Abstieg mit dem FC Herzogenaurach in die Landesliga", so Benno Schuster, der mit 32 Jahren seine Laufbahn als Spieler beendete und danach noch als Trainer in Baiersdorf und beim ATSV Erlangen aktiv war.

„Ich denke, dass ich als Fußballer trotzdem alles richtig gemacht habe", sinniert Schuster. Sein Arbeitgeber, Ernst Neudecker, hat ihm alle Möglichkeiten gegeben, seinen Beruf als Konditor während seiner aktiven Zeit auszuüben und nach seiner Profikarriere hat er sich in harter Arbeit zum Kaufmännischen Angestellten und Fachwirt bei der IHK in Nürnberg emporgearbeitet, ein schmuckes Heim geschaffen und bei seinem neuen Arbeitgeber, der Firma Puma, einen neuen Berufsweg eingeschlagen, „denn von den monatlichen 1500 DM als Profi und den Prämien von damals könnte ich heute nicht leben", so Harald „Benno" Schuster.

                                          Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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