Fußballserie 5 „Joe" Zenger

Drucken
1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 
Für  320 DM  Monatsgehalt Fußballprofi beim Nürnberger Club

Herzogenaurach war ist noch immer eine Talentschmiede im Fußballsport. Auch wenn die Seniorenmannschaften der hiesigen Vereine in der Kreisliga oder gar nur in der A-Klasse kicken, im Jugendbereich wird seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit geleistet. Dass viele Talente  später die Chance nicht nutzen, höherklassig zu spielen, liegt  oftmals  an der Einstellung, weniger am fehlenden Können. Dass Herzogenaurach aber nicht nur die Wiege von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist, sondern darüber hinaus  die Heimat zahlreicher anderer großartiger Kicker ist, wissen bestenfalls die Insider.

Dabei spielte mit Baptist Reinmann schon in den 20-er Jahren ein echter „Herziaurier" beim damaligen deutschen Meister, dem 1. FC Nürnberg. Nach dem Krieg folgten Konrad Schiffer und Günter „Gi" Grumann, und  schließlich war Josef Zenger von 1956  bis 1965 Stammspieler beim fränkischen Traditionsclub in Nürnberg und absolvierte 198 Pflichtspiele für die Cluberer, erzielte 22 Tore und wurde am Ende seiner Laufbahn in Nürnberg auch sechs Mal in Europapokalspielen eingesetzt.

„Joe", wie ihn seine Freunde und Bekannten nennen, Jahrgang 1953 und seit 2000 Ehrenmitglied beim Nürnberger Club, machte schon in der Schülermannschaft beim 1.FC Herzogenaurach auf sich aufmerksam. Man siegte damals gegen die Cluberer in der Noris mit 3 .0 und zog erst im Endspiel um die bayerische Schülermeisterschaft gegen den BC Augsburg den Kürzeren.

1956 wechselte der „Joe" aus der bekannten Herzogenauracher Zengers Dynastie an die Pegnitz. 320 DM betrug sein monatlicher Verdienst  als „Vertragsspieler" damals, denn den Begriff „Profi" gab es so wenig wie die Bundesliga, die erst  1963 startete. Der 21-Jährige behauptete sich schon in der ersten Saison in Nürnberg in der „Oberliga Süd". Mit den Kleeblättern aus Fürth, mit Offenbach und Frankfurt, Schweinfurt und Augsburg sowie den beiden Münchner Vereinen lieferte Josef Zenger harte Auseinandersetzungen Als laufstarker Mittelfeldspieler, Außenläufer hieß das früher, der den Ball absicherte, wie kaum ein anderer, hatte er 1961 seinen größten sportlichen Erfolg mit dem „Club", als im Endspiel um die deutsche Meisterschaft der Favorit aus Dortmund mit 3: 0 abgefertigt wurde.

Vor 82 000 Zuschauern in Hannover ließ man den Borussen, die als Favoriten ins Spiel gegangen waren, keine Chance. Haseneder, Strehl und H. Müller schossen die Gelb-Schwarzen ab und in der Noris kannte der Jubel um Kapitän Max Morlock, um „Nandl" Wenauer, der später in Herzogenaurach beim FC kickte, um Steff Reisch, Wabra und Flachenecker und natürlich um „Joe" Zenger keine Grenzen.

Rank und schlank wie früher  athletisch und durchtrainiert das ist der Zengers „Joe" noch heute, auch wenn für  ihn der Fußball nicht mehr das Ein und  Alles ist. Aber trotz aller Begeisterung - „früher war ich außer am Montag jeden Tag als Spieler oder Trainer unterwegs" - so Josef Zenger im Originalton,  hat der gebürtige Herzogenauracher nie außer Acht gelassen, dass man - zu seiner Zeit- vom Fußball allein nicht leben kann.

Er schloss seine  Lehre  als Speditionskaufmann ab und arbeitete auch als Fußballer immer im erlernten Beruf. Früh und nachmittags beim Training, dazwischen in der Firma, so sah das „Profileben" von Zenger aus¸ kein Wunder, wenn das an  die Substanz ging und dass ihn sein Herzogenauracher Hausarzt der „Welkers Kunnerla" fragte, ob er wohl zu faul zum Essen sei. Am Ende seiner Karriere in Nürnberg war „Joe" „ausgepowert". Zweimaliges Training und Arbeit ließen sich seit Einführung der Profiliga ganz einfach nicht mehr vereinbaren. 

Sich mit Josef Zenger unterhalten, heißt in Fußballerinnerungen zu schwelgen.  Da sind die Erfolge, die er errungen hat, als Spieler und als Trainer. Hinter Nürnbergs Internationalem Max Morlock war er jahrelang der Abräumer und Spielgestalter im Mittelfeld beim Club. „Ich war nicht der Schnellste, aber ich habe jeden tot gelaufen, so der  Meisterspieler von 1961, der darüber hinaus ein exzellenter Techniker war, perfekt am Ball und immer mit der nötigen Übersicht im Spiel. Und er bewies dies 1961, als er das damalige Dortmunder Idol, Timo Konietzka, im Endspiel in Hannover „kalt stellte".

Mit  dem kühlen Herbert Widmayer  als Trainer war gelungen, was  seinem Vorgänger dem charmanten Wiener „Bimbo" Binder versagt geblieben war: Man hatte die begehrte Meisterschaftsschale zum 8. Mal in die Noris geholt. Und wesentlich zum Erfolg beigetragen hatte der Herzogenauracher Joe Zenger, der mittlerweile als „Außenläufer"  dem großen Nürnberger Idol Max Morlock den Rücken für dessen  offensives Spiel frei gehalten hatte. Viermal  war Zenger von Bundestrainer Sepp Herberger zu Lehrgängen der Fußballnationalmannschaft eingeladen worden, jedes Mal musste er absagen. Verletzungen, vor allem muskuläre Probleme machten ihm zu schaffen. So musste er auch ein Jahr später in seinem zweiten Endspiel um die deutsche Meisterschaft im Berliner Olympiastadion schon nach zehn  Minuten  aufgrund einer Oberschenkelzerrung über weitere 80 Minuten quälen, denn ausgewechselt werden durfte damals noch nicht. Trainer Csaknady machte Zenger anschließend für die Niederlage (0 : 4 gegen den 1.FC Köln) mit verantwortlich, Joe Zenger fiel in Ungnade und war fortan nur noch zweite Wahl. Das harte Training hatte Joe Zenger zermürbt: Zwischen den beiden Trainingseinheiten, war er jeweils noch drei Stunden in der Mittagspause in seinem Betrieb, der Spedition EMONS tätig. Und das war eindeutig zuviel, ging an die Substanz. Total ausgelaugt musste er der Doppelbelastung Tribut zollen.

Die Bundesligasaison  1964/65 bedeutete für Josef Zenger das Ende seiner Laufbahn beim Nürnberger Club. In der tollen Kameradschaft innerhalb der Truppe, in der nur Spieler aus der Region eingesetzt waren, und der Galeonsfigur Max Morlock sieht Josef Zenger den Grundstock für die Erfolge der großen Club-Mannschaft der 60-er Jahre. „ Da war einer für den anderen da und es gab weder Intrigen noch  Streit bei aller Rivalität um die Stammplätze.", so der  ehemalige Profi, dem man sein Alter nicht ansieht,  - dynamisch und fit wie eh und je.

Nach der aktiven Laufbahn  wirkte Josef Zenger noch fast 20 Jahre erfolgreich als Trainer in Mittel- und Oberfranken. Mit seinem Stammverein dem Herzogenauracher Club stieg er in die Landesliga auf. 4000 Zuschauer sahen  im Aufstiegsjahr das Derby  gegen die Spielvereinigung Erlangen am FC - Platz  Später waren ihm die Cluberer gram,  weil er zum Lokalrivalen, dem ASV wechselte. „Mir ging es nicht ums Geld, sondern nur darum, meine Vorstellungen von  Fußball und modernem Spiel zu verwirklichen", so Josef Zenger heute. Und auch hier war der „Joe" erfolgreich, wie bei allen seinen Trainerstationen, z.B. beim FC Bamberg, bei der Jugend des 1. FC Nürnberg (mit ihr wurde Joe Zenger bayerischer Meister), in Hirschaid, Hallstadt  oder in Diespeck. Mit der Bezirksligamannschaft aus dem Neustadter Vorort besiegter er, selbst als Libero  mit 39 Jahren spielend, seine früheren Nürnberger Profikollegen mit 3 : 2, „und der damalige  Mittelstürmer Hans Wallitza machte keinen Stich gegen mich", lächelt Josef Zenger heute noch voller Zufriedenheit.

Professionelle Einstellung, Laufbereitschhaft und fußballerisches Können haben  den bescheidenen Herzogenauracher zu dem gemacht, was er geworden ist: Zu einem großen Fußballer, auf den sein Stammverein, der FC Herzogenaurach, und die Stadt stolz sein  können.  Josef Zenger ist durch den Fußball nicht reich geworden, zu gering waren damals die Gehälter, aber er hat  dank seines Fleißes  mit seiner eigenen Spedition den Grundstock gelegt, dass er heute am östlichen Ortsrand von Herzogenaurach in seinem schmucken Haus zufrieden und gesichert leben kann.

                                                                                        Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!