Fußballserie 2 Gottinger

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Richard Gottinger

Über ein halbes Jahrhundert hat der Herzogenauracher Fußball große Talente hervorgebracht, die es national, aber auch international zu Ansehen und Ehren brachten.

In unserer heutigen Folge über bedeutende Kicker von der Aurach, erinnern wir an Richard Gottinger. Er war zwar kein gebürtiger Herzogenauracher, verbrachte aber im hiesigen Liebfrauenhaus einen Teil seiner Jugend. Bevor es ihn vor Heimweh zurück in seine Geburtsstadt Fürth zog, „schwanzte" er erst einmal seine Schulkameraden im hiesigen „Waisenhaus" schwindelig.

Schon mit 12 Jahren fand er dann seine „große Liebe", die Spielvereinigung Fürth.

In 670 Spielen der 1. Mannschaft trug er stolz das Kleeblatt auf der Brust. Schon als Jugendspieler beeindruckte Richard die Fußballkenner und man sagte ihm eine große Karriere voraus. Zunächst bremste den späteren Nationalspieler Hitlers Krieg. 1943 wurde der 17-Jährige eingezogen und als er nach Kriegsende und Gefangenschaft an die Rednitz zurückkehrte, hatten die Amerikaner auf dem Platz im Ronhof ihre Zelte aufgeschlagen, - der gesamte Fußballbetrieb im Raum Nürnberg-Fürth lag danieder. Lediglich Straßenmannschaften kickten gegeneinander.

Von 1947 bis 1962 spielte Richard Gottinger als „Halbrechter", später als „Außenläufer" in der 1. Mannschaft der Spielvereinigung in der Süddeutschen Oberliga. Teilweise abenteuerlich Reisen führten damals nach Aschaffenburg zur Viktoria, nach Augsburg zum BCA und zu den Schwaben, nach München zu den Bayern und den Löwen, nach Frankfurt zur Eintracht, zum FSV und zu Rot-Weiß und nach Schweinfurt. Karlsruhe, Mannheim, Offenbach, Kassel, aber auch Ulm, Stuttgart, Hof und sogar der FC Bamberg (1946 - 1947) waren Gegner für die Fürther, von den packenden Derbys gegen den Nürnberger Club ganz zu schweigen.

In allen Stadien begeisterte Richard Gottinger, dem, erstmals als Rechtsaußen eingesetzt, 1956 im Nürnberger Zabo zwei Tore beim sensationellen 7:2 Sieg gegen den Erzrivalen gelangen. Ansonsten überzeugte Richard Gottinger im Mittelfeld, der im Alter von sich selbst sagte: „Vielleicht war ich zu impulsiv und zu ballverliebt. Erst als ich älter war, fiel es mir leichter, mich vom Ball zu trennen." Aber gerade die genannten Attribute machten wohl die Stärke von Gottinger aus.

Tiefpunkte in seiner Karriere waren der Abstieg seines Vereins 1948, doch schon 1950 konnte er sich über die Süddeutsche Meisterschaft freuen. In diesem Meisterschaftsjahr erlebte er den Tiefpunkt seiner Laufbahn. Beim Spiel in Regensburg erlitt er einen Schienbeinbruch. Sein Bruder Alfred, „uralter Herzogenauracher und lange Jahre im Aufsichtsrat der hiesigen Raiffeisenbank, erinnert sich mit Schrecken daran: "Man hörte das Krachen bis auf die Tribüne".

1953 schaffte Richard Gottinger den Sprung in die Nationalmannschaft. Die deutsche Elf besiegte im Qualifikationsspiel zur Weltmeisterschaft das Saarland (!) mit 3:0. DFB-Trainer Herberger war wohl kein Freund des Fürther Mittelfeldspielers. Er berief den Kleeblattträger anschließend nur noch dreimal in die B-Nationalmannschaft. Für ihn war das Freundschaftsspiel 1957 in Leipzig gegen den DDR-Oberligisten Lokomotive (Endstand 2:2) vor der Rekordkulisse von 90000 Zuschauern sicherlich ein weiterer Höhepunkt in seinem fußballerischen Leben.

Noch 14 Jahre lang war er als Trainer bei „seinem Verein aktiv", zuletzt coachte er den ASV Zirndorf, Quelle Fürth und den 1.FC Bamberg. Im März 2008 ist der verdienstvoll „Kleeblattspieler", der 32 Jahre lang beim Fürther Jugendamt tätig war verstorben und die „alten Kleeblattanhänger" schwärmen noch heute von Richard Gottinger.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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