Fahrradtour nach Bruck

Über alles durfte der Pfarrer predigen – nur nicht über 20 Minuten

Herzogenaurach. Es ist gute alte Tradition beim Heimatverein, am Sonntag nach der Kirchweih eine Fahrradtour zu organisieren. Ziel ist dabei jeweils eine Kirche im Landkreis, die aufgrund ihrer Bausubstanz oder ihrer Kunstgegenstände besonders sehenswert ist. Nach Puschendorf und Veitsbronn führte die diesjährige Tour zur Peter und Paulskirche in den Erlanger Ortsteil Bruck. Mit Gertrud Trojanski hatten die Heimatfreunde hier eine exzellente Kirchenführerin engagiert.

Das Gotteshaus, 1358 erstmals erwähnt, imponiert durch seinen imposanten, weithin sichtbaren Turm mit den vier Scharwachterkern. Das sind die hervorragenden kleinen Erler an den Eckpunkten, von denen der Torwart (Torwächter) einen perfekten Blick über das flache Land hatte. Vor allem von Süden her drohte dem Ort und der Kirche Ungemach, wie z.B. in den beiden Markgrafenkriegen (in der Mitte des 15. und 16. Jahrhunderts), als die Markgrafen Albrecht Achilles und Albrecht Alcibiades ihr Territorium erweitern wollten sowie im 30-jährigen Krieg.

Eine Wende in der Geschichte der Brucker Kirche brachte das Jahr 1527, als Martin Krauß, ein Schüler Martin Luthers als Pfarrer nach Bruck kam und die neue Lehre einführte.

Eine besondere Leidenszeit hatten die Brucker Einwohner nebst ihrer Kirche im 30-jährigen Krieg zu überstehen. Von 700 „Seelen“ bei Kriegsausbruch (1618) überlebten gerade einmal 225. Die Gmeindemitglieder flüchteten samt ihrem Vieh, wenn der Turmwächter sein Signal ertönen ließ, in die nahen Wälder. Auch nach dem Krieg war die Gemeinde nocht weitgehend verstreut, so dass kaum Gottesdienste gehalten wurden.

Ab 1726 wurde die im gotischen Stil erbaute Kirche barockisierte. Dabei stellen die Stuckarbeiten und Fresken an der Decke eine Besonderheit dar. Mit dem Zuzug von Salzburger Exulanten wurde die Pfarrei um 1732 wieder belebt.

Wie die Schießscharten in der Umfassungsmauer erkennen lassen, war die Brucker Kirche seit jeher eine Wehrkirche. Bis zum Jahr 1624 brachte die Brucker Gemeinde hier ihre Toten zur letzten Ruhe.

Besonders wertvoll in der Brucker Pfarrkirche sind neben den Stuckarbeiten an der Decke das Taufbecken, der gotische Flügelaltar und die Kanzel. Neben den Namenspatronen Petrus und Paulus ist auch der Nürnberger Stadtheilige Laurentius (Lorenz) zu bewundern. Die Skulptur soll aus der Schule von Veit Stoß stammen.

Auf der malerischen Kanzel, die von einer Moses-Skulptur getragen wird, sind drei Sanduhren dominant. Sie sollten dem Pfarrer die Dauer seiner Predigt anzeigen. War der Sand in der Uhr durchgelaufen, musste der Geistliche seine Predigt beenden, denn der Herr Pfarrer sollte nicht länger als die vorgeschriebene Zeit (in der Regel 20 minuten) predigen.

Und da nach der geistigen Erbauung auch Kehle und Magen zu ihrem Recht kommenwollten, führte die Rückfahrt über Alt Erlangen nach Kosbach, wo beim Fischereihoffest die Radtour mit Brotzeit und gemütlicher Musik ausklang.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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